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Literarisches Werk


Eine langweilige Geschichte

- Aus den Aufzeichnungen eines alten Mannes -
(Skutschnaja istorija)

Anton Tschechow

 



Übersicht


Originalsprache : Russisch
 
Thema : Alter, Melancholie
Ort : Russland
 
Verlag : Insel Verlag, Diogenes Verlag, Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung
Produktreihe : Sammlung Dieterich
 


Kurzbeschreibung


»Eine langweilige Geschichte« ist eine Erzählung von Anton Tschechow. 1889 wurde das literarische Werk zuerst veröffentlicht.


Der über die Grenzen Russlands bekannte, 62 Jahre alte Medizinprofessor Nikolai Stepanovič blickt auf sein von Todesangst, Schlaflosigkeit, Überdruss und Langeweile geprägtes Leben. Gedächtnisschwund erschwert die wissenschaftliche Arbeit, Vorlesungen quälen, Konversationen mit der entfremdeten Frau und Tochter beschränken sich auf Wiederholungen. Einzige Abwechslung bietet ihm die gemeinsame Zeit mit der Ziehtochter Katja, welche als gescheiterte Schauspielerin ein richtungsloses Leben führt. Doch stellt auch dies mehr Abkehr vom schlimmeren Übel als Einkehr dar. Weder für sie noch für sich hat er eine Antwort auf die Frage, wie man leben soll.


Seinem Ende sich nahe fühlend, versucht der weit über die Grenzen Russlands hinaus berühmte Professor der Medizin Nikolaj Stepanovîc ´Soundso` mit sich ins Reine zu kommen. Der in der Ich-Form erzählende Zweiundsechzigjährige leidet an altersbedingten Beschwerden und zunehmender Schlaflosigkeit. Seine täglichen Kontakte mit den Mitmenschen machen ihm mehr und mehr zu schaffen. War er Zeit seines Lebens begeisterter Wissenschaftler, dem die Vorlesungen an der Universität über alles gingen, so fühlt er sich jetzt von Studenten und Kollegen genervt und empfindet im Umgang mit ihnen nur noch Qual und Langeweile. Auch seine Familie verstärkt sein Unwohlsein. Seine Frau Varja, mit der er sich auseinandergelebt hat, wähnt er, ihm geistig nicht mehr gewachsen zu sein. Seinem als Offizier in einer ausländischen Garnison dienenden Sohn muss er wegen dessen knappen Salärs Geld schicken, damit dieser über die Runden kommt. Und seine am Konservatorium studierende Tochter Liza hat nur die Freundinnen und ihren permanent im Hause verkehrenden Verehrer Gnekker im Kopf, einen aufgeblasenen Schönling, dem seine Frau, in ihm den willkommenen Schwiegersohn sehend, mehr Aufmerksamkeit schenkt, als angebracht erscheint. Seine ganze Zuneigung gilt aber Katja, der Tochter eines verstorbenen Kollegen, die er als Siebenjährige ins Haus geholt und adoptiert hat. Katja, durch die Hinterlassenschaft ihres Vaters gut versorgt, huldigt dem Theater, liegt die meiste Zeit des Tages lesend auf dem Diwan und schmiedet Pläne, eine Theatergruppe aufzubauen, in die sie ihre Geld investieren will, mit diesem Vorhaben aber scheitert. Seine Frau, der seine enge Beziehung zu Katja ein Dorn im Auge ist, bedrängt ihn, nach Charkov zu reisen, wo Gnekker ein Gut besitzen soll; dieser ist aber, als Nikolaj Stepanovîc nachforscht, dort nicht einmal namentlich bekannt. Ein Telegramm seiner Frau berichtet von Lizas heimlicher Trauung mit ihm. Adoptivtochter Kaja, die ihr gescheitertes Verhältnis mit seinem Kollegen Michail Fedorovic, mit dem sie ein uneheliches bei der Geburt verstorbenes Kind hatte, vergessen will, reist ihm nach Charkov nach und fleht ihn an, ihr zu helfen, ihr Dasein wieder in erträgliche Bahnen zu bringen. Aber er kann und will ihr, selbst den Tod vor Augen, nicht helfen und stößt die, um zu vergessen, nun in den Kaukasus Reisende geradezu zurück.





Lesenswerte Langeweile
Wer gut 80 Seiten weises Gejammer erträgt, wird mit allem anderen als langweiligen Reflexionen über Theater, Alter, Jugend, Eheleben und Aussichtslosigkeit belohnt.
Trocken und tief.




Kurzkritiken 3 (8.3/10)


     
anspruchsvoll, melancholisch
Eine gar nicht so langweilige Geschichte, die der alte Mann im Angesicht seines nahenden Todes da aufgezeichnet hat. Mir bisher mehr oder weniger vor allem aus dem Theater bekannt (Die Möwe, der Kirschgarten, Onkel Wanja und Drei Schwestern), hat mich Čechov mit dieser, seiner wohl bekanntesten Erzählung neugierig auf sein weiteres Werk gemacht.

     
erheiternd, deprimierend
Vor allem die erste Hälfte der Geschichte hat mich fasziniert.

     
erheiternd, deprimierend
Tschechow trifft meisterhaft den Ton resignierten Alters



3 Treffer

»Es heißt, Philosophen und wahrhaft Weise seien gleichgültig. Das stimmt nicht – Gleichgültigkeit ist eine Lähmung der Seele, vorzeitiger Tod.«
(Sechster Abschnitt)
Stichworte: Gleichgültigkeit


»Wenn jemand philosophiert, so heißt das, er versteht nichts.«
(Vierter Abschnitt)
Stichworte: Philosophie


»Ich würde viel darum geben, um einmal zu sehen, wie dieser Zwieback mit seiner Frau schläft.«





Eine langweilige Geschichte
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Peter Urban (1997)
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Die schönsten Liebesgeschichten
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(Anton Tschechow)

Insel Verlag, 2010, 192 S., Kt.
  
8,00 €

Eine langweilige Geschichte / Das Duell
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(Anton Tschechow)

Diogenes Verlag, 1998, 245 S., Kt.
  
11,90 €

Meistererzählungen
Meistererzählungen
(Anton Tschechow)

Diogenes Verlag, 1989, 270 S., Kt.
  

Neue Meistererzählungen
Neue Meistererzählungen
(Anton Tschechow)

Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung, 1949, 423 S., Ln.
  




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