Kritikatur - Das Kulturportal

Zitate - Werk - Uns nährt die Erde (André Gide) - (2)





»Die Flucht der Stunden machte mich rasen. Unerträglich war mir die Notwendigkeit, sich zu entscheiden; eine Wahl treffen bedeutete mir nicht so sehr auszulesen als: verwerfen, was ich nicht auserlesen hatte. Mit Entsetzen begriff ich die Enge der Stunden und das die Zeit sich nur in einer Richtung erstreckt; eine Linie war sie – wie hätte ich gewünscht, sie sei Raum! -, und so behinderten meine Begierden, die einander nicht ausweichen konnten, sich gegenseitig auf dieser Fährte ohne Breite. Immer tat ich nur dies oder jenes. Tat ich dies, so bedauerte ich alsbald jenes, und oft verharrte ich in einem ganz mutlosen Nichtstun, voll Entsetzen und wie mit dauernd ausgebreiteten Armen, aus Angst, ich würde nur Eines erobern, wenn ich sie zum Fange schlösse.«

»Lust bringt der Traum von morgen – aber die Lust von morgen ist eine andere –, und nichts zum Glück gleicht dem Traumbild, das man sich davon gemacht hat…«