Film


Heute ich… morgen Du!

Heute ich… morgen Du!

(Oggi a me… domani a te!)

Tonino Cervi

 



Übersicht


Filmtyp : Spielfilm
Originalsprache : Italienisch
Produktionsland : Italien
Länge (Minuten) : 1 Stunde 30 Minuten
 
 
 


Kurzbeschreibung


»Heute ich… morgen Du!« ist ein Western und Italowestern von Tonino Cervi. 1968 ist der Film zuerst erschienen. In den Hauptrollen spielen u.a. Brett Halsey, Bud Spencer und Tatsuya Nakadai.


Regisseur : Tonino Cervi
Produzent : Lucio Trentini, Tonino Cervi
Drehbuchautor : Dario Argento, Tonino Cervi
Kameramann : Sergio D'Offizi
Filmeditor : Roberto Gianandre
Filmkomponist : Angelo Francesco Lavagnino
Darsteller :
Brett Halsey Bill Kiowa
Bud Spencer O’Bannion
Tatsuya Nakadai James Elfego
William Berger Francis „Colt“ Moran
Wayde Preston Jeff Milton
Jeff Cameron Moreno
Dana Ghia Mirana Kiowa
Franco Borelli Bunny Fox
Teodoro Corrà Waffenhändler
Aldo Marianecci Barbier



Blutiger Herbst
"Ich bin nicht verbittert, ich bin nur entschlossen."

Mit diesem Satz verabschiedet sich Bill Kiowa (Brett Halsey) nach wenig erbaulichen Worten des Gefängnisdirektors auf dessen Ratschlag hin, den Kopf nicht hängen zu lassen. Leicht gesagt. Doch wenn man fünf Jahre lang unschuldig eingesessen hat und jeden Tag darauf verwendete fit zu bleiben um die anstehenden Aufgaben zu meistern, hilft einem das reichlich wenig. So führt ihn sein erster Weg nach der Entlassung geradewegs in ein Waffengeschäft, wo er sich das nötige Rüstzeug verschafft für sein nächstes Ziel, nämlich Rache. Wofür genau sich Bill Kiowa rächen will erfahren wir noch nicht. Wohl aber den Plan wie er diese Rache umsetzen will. Mit Hilfe von vier eigens angeheuerten Gunmen will er der Spur des berüchtigten Elfego (Tatsuya Nakadai) und seiner Bande Comancheros folgen. Jedoch muss er erst einmal vier Männer finden, die sich auf solch ein Himmelfahrtskommando einlassen würden.
"Männer, die töten können." sollen es sein. Der erste auf der Liste ist ein mächtiger Kerl namens O’Bannion (Bud Spencer). Dieser verspürt zunächst wenig Lust auf so eine Sache, lässt sich aber angesichts eines beträchtlichen Honorars von 10.000 Dollar überreden mitzuziehen. Dann folgt Sheriff Jeff Milton (Wayde Preston) ein Gesetzeshüter, dem sein Job zu langweilig geworden ist. Der Frauenheld Fox (Franco Borelli) ist dem schnöden Mammon ebenfalls nicht abhold und als letzter im Bunde stößt ein in der Klemme steckender Glücksspieler mit Namen Francis „Colt“ Moran (William Berger) zur Truppe. Besonders schwer ihn zu finden macht es ihnen Elfego nicht, gilt schließlich seine Freizeitgestaltung dem überfallen von Postkutschen. Womit Bill Kiowa allerdings nicht gerechnet hat ist, das ihn Elfego bereits erwartet. Leben ist was passiert, während man plant. Und erstens kommt es anders, zweitens ... na Sie wissen schon.





Today We Kill ... Tomorrow We Die.
Der US-Titel des 1968er Italo-Western bringt es ebenso gut auf den Punkt, wie der deutsche Titel, der im Vorspann dieser DVD-Version leider nicht zu lesen ist. Hier steht nämlich in breiten Lettern BUD SPENCER: DER DICKE IST NICHT ZU BREMSEN. Man muss kein Prophet sein um zu wissen, das dies ein völlige Verunglimpfung der Tatsachen darstellt. Denn tatsächlich handelt es sich bei dem Werk mitnichten um eine der für Spencer üblichen Prügelklamotten, sondern um einen der besten Italo-Western der B-Kategorie. B lediglich aus Budget-Gründen. Inszenierung und Spiel sind durchaus erstklassig, sitzt mit Tonino Cervi, Sohn von Gino "Peppone" Cervi, ein wahrer Könner auf dem Regiestuhl, der die Klippen des geringen Budgets geschickt zu umschiffen versteht. Sein gemeinsam mit Giallo-Papst Dario Argento verfasstes Drehbuch vermag den ausgetretenen Pfaden des Rache-Western zwar nicht erheblich neues hinzufügen, ist aber über weite Strecken wohltuend unvorhersehbar und spannend. Des weiteren beeindruckt die Kameraarbeit Sergio D'Offizi's, die dem offenbar im Herbst gedrehten Film, der zudem in langen Passagen in Laub-Wäldern spielt, mit seinen satten Farben und schönen, häufig die Umgebung einbeziehenden Settings eine willkommene Abwechslung zu den staubigen Hügeln um Almeria bieten. Für die gelungene und einprägsame musikalische Untermalung ist Angelo Francesco Lavagnino zuständig.

Das größte Pfund bleibt jedoch die Besetzung um den Amerikaner Brett Halsey, der bereits 1958 in William A. Wellmans letztem Film "Lafayette Escadrille" an der Seite von Italo-Western-Ikone Clint Eastwood zu sehen war. Keine schlechte Visitenkarte für den charismatischen Darsteller, der hier in klassischer DJANGO-Kluft unterwegs ist. An seiner Seite gibt sich, wie schon erwähnt, Bud Spencer in bester Sidekick-Manier die Ehre, weiter wäre Allzeit-Sympath William Berger mit wonniger Performance zu erwähnen und auch die beiden anderen Rächer sind ansehnlich besetzt und gespielt. Als größter Besetzungs-Coup ist das Engagement von Akira-Kurosawa-Star Tatsuya Nakadai (Yojimbo – Der Leibwächter, 1961) als James Elfego zu bezeichnen. In seinem schwarzen Anzug mit weißem Hemd gibt er einen der außergewöhnlichsten Bösewichte der gesamten Western-Historie. Wenn er die Machete wie ein Samurai-Schwert schwingt, dann wieder völlig psychopathisch über die Vergangenheit sinniert und wie in Trance durch die Materie schreitet, das hat schon was. Ein einzigartiger Auftritt am Rande des Wahnsinns. Interessant ist auch das gegenseitige taktieren, dem häufig mehr Zeit eingeräumt wird als der Ausübung roher Gewalt, was aber nicht heißen soll, das hier nicht scharf geschossen wird. Die Shootouts haben echt klasse, meistens geht es Mano-a-Mano. Das letzte Drittel des an die frühen Arbeiten Sergio Leone's erinnernden Filmes beginnt mit einer längeren Schwarzweiß-Rückblende, die über das Rache-Motiv aufklärt und dem Film nochmal eine neue Note hinzufügt. Das ist erfrischend originell und hebt das Niveau für einen Italo-Western dieser Preisklasse beträchtlich. Schade das der talentierte Tonino Cervi nur diesen einen Western gedreht hat. Mit etwas mehr Budget und ein paar großen Namen hätte.... Wer weiß?




Kurzkritiken Heute ich… morgen Du! (Tonino Cervi) 7/10 1 7 7


     
Klasse inszenierter Italo-Western mit hervorragendem Personal in knackigen 90 Minuten ohne jede Länge.