Literarisches Werk


Die Ursache

Die Ursache

- Eine Andeutung -

Thomas Bernhard

 



Übersicht

(19 Punkte)

Originalsprache : Deutsch
Stichwort : Autobiografie, Biografie
Umfang : ca. 137 Seiten
 
Thema : Internat
Ort : Salzburg
Zeit : 1944, 1945, 1946
 
Verlag : Residenz
 


Kurzbeschreibung


»Die Ursache« ist ein literarisches Werk von Thomas Bernhard. 1975 wurde das literarische Werk zuerst veröffentlicht.


"Die Ursache" ist die erste von insgesamt fünf autobiographischen Erzählungen Thomas Bernhards. Sie spielt in den Jahren 1944-1946 und unterteilt sich in die zwei ungefähr gleichgroßen Kapitel "Grünkranz" und "Onkel Franz".
Mit einer mehrseitigen Schmähtirade gegen Salzburg eröffnet das Buch. Anschließend stellt Bernhard seine Zeit auf dem Salzburger Internat "Johanneum" dar, welches er im Alter von dreizehn bis fünfzehn Jahren besuchte und als "Kerker" empfand. Insbesondere der nationalsozialistisch durchtränkte Direktor "Grünkranz" ist ihm dort ein Peiniger.
Aufenthalte im Luftschutzbunker, die Zerstörung der Stadt durch das Bombardement vom 17. Oktober 1944, das quälende Geigenspiel bei dem Lehrer Steiner, die Zugfahrten vom Familienwohnsitz Traunstein nach Salzburg sind weitere Themen des ersten Kapitels.
Mit allgemeinen Ausführungen über den "Geistesmord" an Kindern durch die fehlende Erziehung der Erzeuger in den ersten Lebensjahren und weiterführend die fehlende Aufgeklärtheit der Gesellschaft beginnt das zweite Kapitel. Mittlerweile ist der Zweite Weltkrieg beendet, das "nationalsozialistische" Internat wurde in ein "streng katholisches verwandelt", deren neuer Direktor von den Schüler nur als Onkel Franz bezeichnet wurde. Größere Passagen sind der nachkriegsbedingten Not in der Stadt, der Verderbtheit durch Nationalsozialismus und Katholizismus, der grundsätzlichen Probleme von Bernhard mit der Schule und speziell der Schikane in der Schule, den Reisen über die Grenze zum Großvater und der Beziehung zur Familie (Fremdheit zur Mutter, Nähe zum Großvater) gewidmet. Mit dem befreienden Abbruch des Gymnasiums und den Gang zum Arbeitsamt endet "Die Ursache".





Thomas Bernhard schildert in diesen ersten Aufzeichnungen seine Erlebnisse und Einsichten in den Jahren 1943-1946, als er, von seinem Großvater auf das Salzburger Internat Johanneum geschickt, in sich den Hass gegen alles Schulische entdeckt. Rückblickend kann der damals 13- bis 15-jährige zwischen dem Schreckensregime des nationalsozialistischen Direktors Grünkranz, eines SA-Offiziers, in den letzten Kriegsjahren und den Erziehungsmethoden des nach dem Krieg Mitte 1945 von der katholischen Kirche eingesetzten Anstaltsgeistlichen „Onkel Franz“ keinen Unterschied entdecken. In den, bezeichnenderweise mit den Namen dieser beiden „Erzieher“ überschriebenen Kapiteln ergießt sich bezgl. des Gymnasiums ein Schwall von negativ besetzten Wortkombinationen über den Leser, der durch die für Bernhard typischen, sich nur durch Änderung der jeweiligen Satzkonstruktion unterscheidenden Wiederholungen einen unnachahmlichen Verstärkungseffekt bewirken. Tenor: „geist- und gemütsverletzend, selbstmordfördernd, das ganze Leben zerstörend und die Seele vernichtend, eine durch den menschenfeindlichen Züchtigungsmechanismus hervorgebrachte Charakterverheerungs- und geistige Verstümmelungsmaschinerie“.
Aber nicht nur über die Verhältnisse im Internat lässt sich Bernhard aus. Auch die Stadt Salzburg kommt äußerst schlecht weg: Eine vom katholischen Stumpfsinn beherrschte, durch und durch nazistische Stadt mit kopflos sich multiplizierenden schwachsinnigen Bewohnern und, im Hinblick auf die jährlich stattfindenden Festspiele, perfider Fassade. „Die Stadt ist immer eine mich peinigende gewesen“.
Hier wie auch in seinem Urteil über Internat und Gymnasium zieht Bernhard sicher deutlich übertrieben vom Leder; nachdem 30 Jahre zwischen den Erlebnissen und ihren Beschreibungen liegen, merkt man die tiefliegenden Verletzungen, die diese Zeit ihm zugefügt hat.
Er übersteht die ersten Jahre in der „katholisch-nationalsozialistischen Atmosphäre“, deren Lehren er als ansteckende Geisteskrankheiten bezeichnet, nur mit Hilfe seiner Geige, auf der er in der Schuhkammer üben darf, die er aber eigentlich hasst und nur als einzige Fluchtmöglichkeit vor der Wirklichkeit akzeptiert.
In eindringlicher Weise erzählt er von den Bombenangriffen amerikanischer Flugzeuge, der Flucht in die Luftschutzstollen und zeigt sich fassungslos, seine Englischlehrerin unter dem Schutthaufen des eingestürzten Gasthauses, in dem sie ihn unterrichtete, begraben zu finden. Er wird Zeuge, wie nach dem Krieg in den Schulräumen die Hitlerbilder gegen das Christuskreuz ausgetauscht werden und vergreift sich sogar in Vergleichen, die den Führer mit Jesus Christus gleichsetzen.
Mittendrin erfährt der Leser zahlreiche Details über sein familiäres Umfeld, wobei sein Großvater die einzige als Vorbild dienende Bezugsperson ist, die es gut mit ihm meint. Den Großvater aber muss er enttäuschen, als er den Entschluss fasst, das Internat und das Gymnasium zu verlassen, um sich durch die vom Arbeitsamt vermittelte Lehrstelle bei einem Lebensmittelhändler „in die entgegengesetzte Richtung“, zur „Nützlichkeit“ hin zu bewerben.
Darüber berichtet Bernhard in seiner zweiten autobiographischen Schrift „Der Keller-Eine Entziehung“




1 Treffer

»Dem Sport ist zu allen Zeiten und vor allem von allen Regierungen aus gutem Grund immer die größte Bedeutung beigemessen worden, er unterhält und benebelt die Massen, und vor allem die Diktaturen wissen, warum sie immer und in jedem Fall für den Sport sind.«
Stichworte: Sport





Mit „Die Ursache-Eine Andeutung“ legt Bernhard den ersten Teil seiner fünfbändigen autobiographischen Schriften vor. „Der Keller-Eine Entziehung“, „Der Atem-Eine Entscheidung“, „Die Kälte-Eine Isolation“ und „Ein Kind“ werden folgen. Vor allem die ersten drei Erinnerungsbücher können als richtungsweisend für seinen Schreibstil angesehen werden und gelten als Schlüssel zum Verständnis für jeden Leser, der sich auf diesen eigenwilligen, aber grandiosen Schriftsteller einlassen will.


Die Ursache
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Die Ursache
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