Film


The Wild Bunch

The Wild Bunch

- Sie kannten kein Gesetz -
(The Wild Bunch)

Sam Peckinpah

 



Übersicht

(49 Punkte)

Filmtyp : Spielfilm
Originalsprache : Englisch
Stichwort : New Hollywood
Produktionsland : USA
Länge (Minuten) : 2 Stunden 18 Minuten
 
Thema : Mexikanische Revolution, Überfall, Massaker, Zugüberfall, Flucht, Verfolgung, Freundschaft, Grenze, Eisenbahn
Figur : Kopfgeldjäger
Ort : Mexiko
Zeit : 1913
 
Besondere Liste : 50 Klassiker - Film, 1001 Filme, K&V - Film, AFI (1998), AFI (2007)
 


Kurzbeschreibung


»The Wild Bunch« ist ein Western von Sam Peckinpah. 1969 ist der Film zuerst erschienen. In den Hauptrollen spielen u.a. Holden, William, Borgnine, Ernest und Oates, Warren.


Regisseur : Sam Peckinpah
Produzent : Phil Feldman
Drehbuchautor : Sam Peckinpah, Walon Green, Roy N. Sickner
Kameramann : Lucien Ballard
Schnitter : Lou Lombardo
Musiker : Jerry Fielding
Darsteller : William Holden als Pike Bishop
Ernest Borgnine als Dutch Engstrom
Warren Oates als Lyle Gorch
Robert Ryan als Deke Thornton
Edmond O'Brien als Freddie Sykes
Ben Johnson als Tector Gorch
Emilio Fernández als General Mapache
Jaime Sánchez als Angel
L. Q. Jones als T.C.
Bo Hopkins als Clarence 'Crazy' Lee
Alfonso Arau als Herrera
Strother Martin als Coffer
Albert Dekker als Harrigan
Dub Taylor als Wainscoat
Paul Harper als Ross



Die Stille nach dem Schuß
Pike Bishop und seine Männer überfallen, in der Hoffnung Lohngelder abzukassieren, ein Büro der Eisenbahngesellschaft. Sie geraten in einen Hinterhalt und schießen sich, unter großen Verlusten, den Weg frei. Auf der Gegenseite erkennt Bishop seinen ehemaligen Partner Deke Thornton, der einst für ihn in den Knast gegangen ist. Thornton wurde vom Chef der Eisenbahngesellschaft aus dem Gefängnis in Yuma geholt, um mit einer Bande von skrupellosen Kopfgeldjägern, Bishop und seiner Bande das Handwerk zu legen. Dabei scheuen sie sich auch nicht davor Zivilisten umzubringen, die unfreiwillig in die Schußlinie geraten sind. Pike Bishop und fünf seiner Männer entkommen schließlich und fliehen nach Mexiko, wo sie in die Wirren der mexikanischen Revolution geraten. Thornton bleibt ihnen auf den Fersen, scheitert aber immer wieder an der Inkompetenz seiner Begleiter, die er zutiefst verachtet. Die Wild Bunch lässt sich in Agua Verde vom selbsternannten Revolutionsgeneral Mapache für einen letzten Coup anheuern, einen Waffentransport der US-Army zu überfallen, um sich anschließend zur Ruhe setzen zu können. Der Zugraub gelingt, doch wieder ist Thornton in der Nähe, kann aber durch einen spektulären Schachzug Bishops auf Distanz gehalten werden. Als das mexikanische Bandenmitglied Angel einen Teil der Waffen beansprucht, den er seinen befreundeten Indio-Rebellen überlässt, kommt ihnen Mapache auf die Schliche und lässt Angel gefangen nehmen. Für Pike, Dutch und die Gebrüder Gorch wird die Sache klar: Der Ruhestand ist keine Option.





"If they move, kill `em!"
Bereits der erste Satz gibt das Motto vor. Das Ende des klassischen Western, unzweifelhaft der Höhepunkt in Sam Peckinpah's Schaffen, von legendärem Ruf für sein oft kopiertes, nie erreichtes Finale, der Schlacht von vier Amerikanern gegen eine ganze mexikanische Armee, in Zeitlupe gefilmt, für damalige Verhältnisse unglaublich brutal und auch heute noch unheimlich wirkungsvoll. Für viele war der Film über eine Gruppe von Gringos in Mexiko damals eine Parabel auf den Vietnam-Krieg mit seinen Amerikanern, die in einem fremden Land für eine verlorene Sache kämpfen. Peckinpah hat das stets dementiert. THE WILD BUNCH zeigt ganz klar die Kehrseite von John Ford's mythisch verklärter Sicht auf die Geschichte des Westens, was Peckinpah nicht zu unrecht die Bezeichnung als Ford's Bastardbruder einbrachte. Doch ich will hier gar nicht groß auf all die Interpretationsmöglichkeiten des Filmes eingehen. Was mich auch beim wiederholten ansehen immer wieder aufs neue fasziniert, ist dieser einzigartige Moment der Stille nach dem Schuß Bishops auf Mapache. Dieser Moment der Entscheidung, sehenden Auges in den sicheren Tod zu gehen. Eine Atempause bevor die Hölle losbricht. Hier werden die vier Männer tatsächlich zu den apokalyptischen Reitern, die finale Schlacht zur Apokalypse. Das Massaker wird so nicht nur zu einem Job von Profis, die ihr blutiges Handwerk verrichten, sondern zu einer Katharsis, die alles verkommene, schlechte und destruktive mit einem Mal wegwischt, einschließlich die eigene verdorbene Seele der Protagonisten. Daher erscheint es auch logisch, das Thornton, der einmal im Film sagt, das er lieber mit seiner alten Gang reiten würde als mit dem Halsabschneider-Pack, das Gemetzel nur aus der Entfernung als Zuschauer miterlebt und letztendlich einer der wenigen überlebenden Zeugen dieses Infernos bleibt. Er hat durch die Zeit im Gefängnis von Yuma genug Buße getan und wirkt regelrecht befreit und gelöst nach der Schlacht. So gesehen hat der Film ein Happy End. Mir fällt in der Filmgeschichte kaum ein zweiter Moment von solcher Leere und gleichzeitiger emotionaler Anspannung ein, der zudem noch bei jeder erneuten Sichtung an neuen Facetten hinzugewinnt. Sicher birgt auch Burt Lancaster's Abgang in die Dunkelheit in Luchino Visconti's DER LEOPARD (1962) einiges an Tragweite, steht er doch für das Ende einer ganzen Epoche. Doch an Kompromisslosigkeit ist der Moment zwischen dem Ende der Götterdämmerung und dem Beginn des Weltunterganges in "The Wild Bunch" unerreicht. Sam Peckinpah wurde ja von der Kritik oft als Zyniker bezeichnet. Zugegeben, meine Sichtweise auf den Film hat sich über die Jahre verändert. Ich halte Peckinpah mittlerweile nicht mehr für den Zyniker, als den auch ich ihn früher eingeschätzt habe. Man sagt ja: Ein Zyniker sei ein enttäuschter Idealist. Insofern würde es passen. Aber gerade diese in jeder Szene spürbare Liebe zum Sujet, lässt mich nun eher an einen aufgeklärten Romantiker glauben, der sich hinter einer, auf den ersten Blick zynischen Inszenierung versteckt. Das erklärt dann auch, warum der von mir gleichfalls geliebte "The Ballad of Cable Hogue", der ja als Gegenmodell zu "The Wild Bunch" konzipiert war, so hoffnungslos romantisch ist. Hier zeigte Peckinpah ein einziges Mal sein wahres Gesicht. Das romantische in WILD BUNCH wird vor allem deutlich in der freundschaftlichen Beziehung von Pike und Dutch, durch das Gemeinsam-Durch-Dick-Und-Dünn-Gegangen-Sein. Schließlich lässt Pike Dutch mehr als nur einmal nicht zurück. Hier hebt sich das zynische auf und wird durch aufrichtige Ergebenheit ersetzt. Auch zu Angel, wegen dem sie schließlich die Hölle loslassen, haben beide eine, wenn nicht freundschaftliche, so doch entweder brüderliche oder eher väterliche Einstellung. Die Gebrüder Gorch sind nur sich selbst und einander verpflichtet, erkennen aber ihren Ehrenkodex gegenüber den restlichen Mitgliedern der Gang an. Bei Deke Thornton schwebt hingegen noch etwas ganz anderes mit. Er wird für mich mit der Zeit zur interessantesten Figur. Denn er, obwohl einst zurückgelassen, wünscht sich im Verlauf der Verfolgung immer mehr an die Seite der alten Kumpane zurück. Sein anfänglicher, von Rache-Gefühlen geleiteter Einsatz es Pike heimzuzahlen, weicht zuerst der öffentlichen Anerkennung der professionellen Qualitäten Bishops, um später klipp und klar Stellung für ihn zu beziehen. Von Zynismus ist hier allenfalls in Richtung der Kopfgeldjäger etwas zu spüren. Er fühlt sich eben doch den Idealen der Partnerschaft mit Bishop zumindest innerlich verpflichtet. Ich glaube auch, das er das Auf-der-Strecke-geblieben-sein letztendlich als Berufsrisiko zu den Akten gelegt hat. Die Erkenntnis aller Beteiligten, das ihre Zeit vorbei ist und deren Ende genauso gut selbst herbeigeführt werden kann weht von Anfang an durch den Film. Die Gang steht häufiger ratlos vor etwaigen Entscheidungen, gerade so als ob sie ohnehin keine Vorstellung davon haben, wo ihr Platz sein könnte. Dem zufolge ist ihr Zynismus bloß überspielte Verbitterung. Schlußendlich ist das Männlichkeitsgeheische in der Gruppe eine das Gefüge erhaltende Notwendigkeit, da der Zusammenhalt nur in Einzelverbindungen besteht. Im hervorragenden Buch "Sam Peckinpah - Ein Outlaw in Hollywood" von Frank Arnold und Ulrich von Berg wird der blutige Sam wie folgt zitiert:
"Ich wollte kein großes episches Werk schaffen, nur eine simple Geschichte erzählen über ein paar schlechte Männer in einer Zeit, die sich verändert. THE WILD BUNCH zeigt, was passiert, wenn eine Bande von Killern nach Mexiko geht. Das Merkwürdige ist nur, das man einen großen Verlust spürt, wenn diese Killer am Ende ihres Weges an gelangen."
Dieser überspannendende Motiv-Bogen lässt sich wohl jedem von Peckinpah's Werken ausmachen, womit er sich meiner Meinung nach in die Riege der Großmeister einreiht, die mit einem überschaubaren Oeuvre ihre Lebensthemen erschöpfend abgehandelt haben. Jean-Pierre Melville oder der bereits erwähnte Luchino Visconti wären da zu nennen. Exklusiver kann ein Klub nicht sein.




Kurzkritiken 1 (10/10)


     
Alles was abschließend zum Thema Western gesagt werden konnte. Der Höhepunkt von Sam Peckinpah`s Schaffen und eines der besten und wichtigsten Werke der Filmgeschichte. Stilbildendes Meisterwerk und längst ein Klassiker.



1 Treffer

»Peckinpah selbst sagte zu seiner Arbeit: „Wenn ich darüber nachdenke, was mit mir in Hollywood so passiert ist, wünsche ich mir, ich wäre ein bisschen wie meine Helden“.«





Peckinpahs Filme sind charakteristisch in ihrem Umgang mit der Zeit und ihrer Inszenierung von Gewalt. Peckinpah zeigt Gewalt sehr explizit, oft in Zeitlupe und Großaufnahme. Dabei sind die Szenen oft komplex aufgebaut und aus vielen Einzeleinstellungen zusammengesetzt. Exemplarisch hierfür ist der Showdown von The Wild Bunch, der aus mehreren hundert Einstellungen besteht. Dieser Stil prägt auch heute noch so bekannte Regisseure wie John Woo und Quentin Tarantino.

Time Out urteilt: „Der Film zählt zu den packendsten Klageliedern der Wildwest- Filmgeschichte.“

Joe Hembus merkt an, The Wild Bunch sei „Peckinpahs definitiver Film über die verlorenen Helden des späten Westens und über die Gewalttätigkeit Amerikas“. Diese Gewalttätigkeit werde „bewußt abgehandelt“ und „mittels seiner Technik reflektiert.“

Für Phil Hardy zeigt der Film, „dass in Peckinpahs Welt Unschuld und Brutalität Seite an Seite leben“. The Wild Bunch habe geholfen, „das Ende des Westens als eines der Hauptthemen der Western der 1970er zu etablieren.“

Ulrich Gregor sah "...ein düsteres, allerdings auch sehr spektakuläres und ästhetisiertes Bild von Gewalt und Rechtlosigkeit..." (Ulrich Gregor, Geschichte des Films ab 1960. Bertelsmann, München 1978, ISBN 3-570-00816-9, S. 471)