Film


Die Freunde von Eddie Coyle

Die Freunde von Eddie Coyle

(The Friends of Eddie Coyle)

Peter Yates

 



Übersicht


Filmtyp : Spielfilm
Originalsprache : Englisch
Stichwort : New Hollywood
Produktionsland : USA
Länge (Minuten) : 1 Stunde 43 Minuten

Kurzbeschreibung


»Die Freunde von Eddie Coyle« ist ein Kriminalfilm, Gangsterfilm und Filmdrama von Peter Yates. 1973 ist der Film zuerst erschienen. In den Hauptrollen spielen u.a. Alex Rocco, Steven Keats und Richard Jordan.

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Besetzung


Regie : Peter Yates
Produktion : Paul Monash
Drehbuch : Paul Monash
Kamera : Victor J. Kemper
Schnitt : Patricia Lewis Jaffe
Filmmusik : Dave Grusin
Darsteller :
Robert Mitchum Eddie
Peter Boyle Dillon
Richard Jordan Dave Foley
Steven Keats Jackie Brown
Alex Rocco Jimmy Scalise
Joe Santos Artie Van



The Losing Game
Boston, Anfang der Siebziger: Eddie Coyle (Robert Mitchum) ist 52 Jahre alt und auf Bewährung. Ein Verfahren steht noch aus. Wenn er Pech hat, muss er nochmal mindestens zwei Jahre sitzen. Seine Frau und die drei Kinder haben lange genug auf ihn gewartet. Er sieht zwei Möglichkeiten. Entweder er versorgt eine Bande von Bankräubern (u.a. Alex Rocco und Joe Santos) als Gunrunner weiter mit Waffen, die er von Dealer Jackie Brown (Steven Keats) als Mittelsmann kauft und weiter leitet, oder er verpfeift allesamt beim Bullen Dave Foley (Richard Jordan), für den er gelegentlich als Spitzel arbeitet. Dann ist da noch Dillon (Peter Boyle) aus der Bar, bei dem die Fäden irgendwie zusammenlaufen. Eddie, man nennt ihn auch "Fingers", weil ihm die Organisation mal zur Strafe die Finger gebrochen hat, sieht keinen Sinn mehr darin loyal zu sein. Schließlich muss jeder sehen wo er bleibt und jene die es geschafft haben sind längst nicht mehr da. Also wozu sich abrackern. Eddie will nur noch raus aus dem Geschäft und mit seiner Familie in Ruhe leben. Doch wie soll das funktionieren wenn man sich auf wirklich niemanden mehr verlassen kann?





Verbrechen von unten
Fünf Jahre nach seinem legendären Klassiker BULLITT (1968) zieht es den Briten Peter Yates wieder in die Straßen einer amerikanischen Großstadt um dieses Mal einen ganz anderen Blick auf die Welt des Verbrechens zu werfen. Stand damals der unbeirrbare Cop Frank Bullitt, ikonisch verkörpert durch Superstar Steve McQueen, im Mittelpunkt, sehen wir hier einem unsicheren, beinahe verloren wirkenden, älter gewordenen Robert Mitchum bei seinem täglichen Kampf ums überleben zu. Bildete McQueen seinerzeit das alleinige Zentrum eines ganz auf ihn zugeschnittenen Filmes, verhält es sich bei THE FRIENDS OF EDDIE COYLE genau konträr dazu. Trotz der Starpower von Robert Mitchum behandelt Peter Yates seine Figuren gleichwertig, gibt niemandem den Vorrang, blickt in jeden hinein, versucht ihn zu entschlüsseln. Auch ist Coyle kein Leading Man, eher ein Street Soldier, einer der verlässlich Tag für Tag hart arbeitet, leider im falschen Milieu. Es ist ein Film über die kleinen Leute, über die auf deren Rücken andere groß absahnen. Es gibt keine Action, keine Spannungskurve und keine Sonne. Der Film spielt fast ausschließlich Nachts, nur selten am Tag. Alles ist grau und trist, hoffnungslos und kalt. Das Boston, respektive Amerika welches wir sehen, ist ein wirtschaftlich am Boden liegendes Amerika, innerlich zerissen vom nicht enden wollenden Vietnam-Krieg und Nixon's Misspolitik.
Allein Mitchum's Blicke, seine ganze Körperhaltung und sein Gang verraten ohne große Worte ein ganzes Leben. Wenn er zu Beginn fast unscheinbar ein Diner betritt, sich Kaffee und Kuchen an der Selbstbedienungstheke besorgt und sich unauffällig nach dem Mann umsieht, mit dem er offenbar verabredet ist, spüren wir schon welche Lebenslast auf seinen Schultern ruhen muss. Hat er sich dann gesetzt überspielt er dies freilich, kehrt all seine Erfahrung heraus und gibt gegenüber dem jüngeren, unerfahreneren den harten, mit allen Wassern gewaschenen Hund, einen Mann der den Plan hat. Den kleinen Waffenhändler Jackie Brown kann er damit noch beeindrucken, wenn auch nicht für lange. Denn auch dieser zahlt sein Lehrgeld im gefährlichen Business der Unterwelt. Neben diesen beiden lernen wir noch eine Gruppe Bankräuber kennen, bei deren Arbeit wir zuschauen dürfen, ebenso den Polizisten Foley vom Schatzamt, der der Bande auf den Fersen ist. Die titelgebenden Freunde sind sie alle nicht, aber das ahnen wir ziemlich bald. Am ehesten könnte der Begriff noch auf Peter Boyle's Figur zutreffen, doch auch hier werden wir eines besseren belehrt. Eddie hat irgendwie mit allen zu tun, trauen kann er aber nur sich selbst. Selbst der Bulle, mit dem er einen Deal aushandelt, haut ihn ohne mit der Wimper zu zucken über`s Ohr.
Nein, Freunde sind das wahrlich nicht. Und kennt man den Autor der Romanvorlage, wundert man sich auch nicht darüber. George V. Higgins, dessen COGAN'S TRADE vergangenes Jahr von Brad Pitt und Andrew Dominik als KILLING THEM SOFTLY verfilmt wurde, lieferte auch für diesen nihilistischen Abgesang die Vorlage, wobei sie sich streng an den von Yates, damals nicht ganz unzeitgemäß kultivierten Stil hielten. Vergleicht man THE FRIENDS OF EDDIE COYLE mit ähnlich gelagerten Werken der Dekade, kann man den ähnlich verunsichernden Coppola-Film THE CONVERSATION mit Gene Hackman aus dem Folgejahr 1974 nennen. Zieht man diese Linie etwas weiter, landet man unweigerlich beim 2000er Jahre Serien-Meisterwerk THE WIRE, die an mancher Stelle wie ein Abbild der schonungslos realistischen Bilder dieses Filmes wirkt. So kann man sehr schön sehen, wie weit Peter Yates mit seinem fast vergessenen Werk seiner Zeit vorraus war. In einer Zeit, in der Hollywood-Filme keine Risiken mehr eingehen, ist die Wiederentdeckung solcher fast vergessenen Perlen wie THE FRIENDS OF EDDIE COYLE absolut notwendig.




Kurzkritiken


     
Bitteres Krimi-Drama mit Robert Mitchum in einer Glanzrolle. Meisterwerk.




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