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Film


Rampart

Rampart

- Cop außer Kontrolle -
(Rampart)

Oren Moverman

 



Übersicht


Filmtyp : Spielfilm
Originalsprache : Englisch
Produktionsland : USA
Länge (Minuten) : 1 Stunde 44 Minuten
 
 
 


Kurzbeschreibung


»Rampart« ist ein Filmdrama von Oren Moverman. 2011 ist der Film zuerst erschienen. In den Hauptrollen spielen u.a. Woody Harrelson, Ned Beatty und Ben Foster.


Regisseur : Oren Moverman
Produzent : Ben Foster, Lawrence Inglee, Ken Kao, Clark Peterson
Drehbuchautor : James Ellroy, Oren Moverman
Kameramann : Bobby Bukowski
Filmeditor : Jay Rabinowitz
Filmkomponist : Dickon Hinchliffe
Darsteller :
Woody Harrelson Dave Brown
Ned Beatty Hartshorn
Ben Foster „General“ Terry
Cynthia Nixon Barbara
Anne Heche Catherine
Brie Larson Helen
Sammy Boyarsky Margaret
Sigourney Weaver Joan Confrey
Steve Buscemi Bill Blago
Robin Wright Linda Fentress
Audra McDonald Sarah
Jon Bernthal Dan Morone
Stella Schnabel Jane
Jon Foster Michael Whittaker
Robert Wisdom Captain
Ice Cube Kyle Timkins



Cop
L.A. - Rampart District, Ende der Neunziger: Dave Brown ist ein typischer Streifenbulle alter Schule. Im Namen der Familienehre verrichtet er seinen Job so wie es schon sein Vater getan hat. Nach dessen Tod als Zögling vom ehemaligen Partner des Alten die Polizeitradition fortsetzend, gelten für ihn die selben Regeln die schon immer galten. Immer auf der Jagd nach Junkies, Hehlern, Dealern, Nutten, Chicanos, Gangmembers und jeglichem kriminellen Gesocks was man sich vorstellen kann. Er hasst sie alle gleichermaßen. Gelernt ist gelernt. Sogar einen Spitznamen hat er sich verdient als er einen ehemaligen Geschäftspartner umgelegt hatte, weil dieser gerne Frauen verprügelte und vergewaltigte. Vergewaltiger-Dave. Das hört er nicht gerne, ist er doch damals aus Mangel an Beweisen mit einem blauen Auge davongekommen. Seitdem hat er oft zur Waffe gegriffen und niemals auch nur eine Sekunde gezögert sie zu benutzen. Dabei fällt natürlich meistens was ab. Hier mal ein Bündel Dollars, dort mal ein paar Gramm Amphetamine, gern auch Drogen jeglicher Art. Es gibt nichts gutes außer man tut es. Privat sieht es eher bescheiden aus. Zwei Ex-Ehefrauen, tatsächlich Schwestern, zwei halbwüchsige Töchter, von jeder eine, Cousinen ersten Grades oder Halb-Schwestern, je nach dem, kein Inzest jedenfalls und alle hausen quasi unter demselben Dach. Da kann schonmal mächtig Dampf in der Bude sein. Doch Dave liebt sie alle. Außerdem vögelt er gerne, schleppt Nacht für Nacht eine andere ab. Macht keinen guten Eindruck, geht aber nicht anders. Im rechtfertigen war er schon immer gut. Wenn es mal nicht so gut läuft, reagiert er sich halt an Verdächtigen ab. Das wird ihm jetzt zum Verhängnis. Dummerweise ist die ganze Stadt mit Überwachungskameras bepflastert und eine davon hat ihn überdeutlich drauf, wie er gerade einen Unfallfahrer mit dem Schlagstock vermöbelt. Dumme Sache das. Heute Abend läuft auf allen Kanälen dasselbe Programm; Prügel-Cop außer Kontrolle. Etwas, das die Rampart Division im Moment überhaupt nicht brauchen kann. Und dabei bleibt es nicht. Jetzt muss sich Dave neben allem anderen mit Journalisten, Anwälten, Internen Bullen und Psychologen herumschlagen und seine ganz private schwarze Kasse mächtig bluten lassen. Da will für Nachschub gesorgt sein, sonst gehts bergab. Dave hängt sich voll rein, ohne Rücksicht auf Verluste. Gelernt ist gelernt.





Scandal
RAMPART kam beim Publikum nicht besonders gut an. Da haben wohl einige etwas missverstanden. Die vielen negativen Meinungen werden dem Film nicht gerecht. Für falsche Erwartungshaltungen sollte er nicht abgestraft werden. Mag sein das es mal wieder an den Vermarktungstrategien liegt, irgendwie muss man ja sein Produkt verkaufen. Eines der Werbemerkmale spricht allerdings eine sehr deutliche Sprache. Es lautet: Nach einem Drehbuch von JAMES ELLROY. Nun denken die meisten zu allererst an den famosen, aber auch sehr publikumswirksamen L.A. CONFIDENTIAL (Curtis Hanson, 1997), basierend auf dem gleichnamigen Roman des Ausnahme-Schriftstellers. Was nicht verkehrt ist. Aber irgendwie auch doch. Denn den Namen Ellroy auf diesen einen Titel zu reduzieren wäre ganz falsch. Ja, es finden sich auch hier die klassischen Merkmale eines Werkes des Blut-Poeten. Der dreckige Bulle, die düsteren Obsessionen, der ungeschminkte Blick auf die dunkle Seite der Realität. Es ist alles da. Aber es ist eben kein Thriller, kein Action-Krimi und auch kein krasses Cop-Movie. Nein, es ist genau das, was auch die Romane von James Ellroy auszeichnet. In erster Linie ist RAMPART ein Psychogramm. Ein Psychogramm eines Besessenen. Ohne Kompromisse, ohne aufgesetzten Krimi-Plot und ohne Identifizierungsmöglichkeiten. Und damit ist RAMPART eben ganz typisch Ellroy. Wer also einen spannenden Thriller sehen will, sollte sich woanders umschauen. Wer bereit ist, in die Abgründe einer verlorenen Seele zu schauen, der ist hier genau richtig. Mit Woody Harrelson wurde der perfekte Darsteller für eine solche Rolle gefunden, es ist ganz allein seine Show. Die vielen Stars bis in die kleinsten Nebenrollen würzen seine Performance mit starken Kabinettstücken, ganz im Dienst der Sache, ohne vom Zentrum des Filmes abzulenken. Und dieses Zentrum ist Harrelson. Seinem Tour-de-Force-Ritt zuzuschauen macht die Spannung des Filmes aus. Der Blick in das Leben Dave Browns ist die Handlung. Mit Regisseur Oren Moverman hat James Ellroy einen wahren Bruder im Geiste gefunden, der in der Lage war den Visionen des Autors ein Bild zu geben. Mehr braucht es nicht, mehr ist nicht nötig. Zu vergleichen ist der Film daher eher mit Werken wie LIGHT SLEEPER von Paul Schrader oder BAD LIEUTENANT von Abel Ferrara. Auch nicht gerade Filme für die breite Masse. Wer sich sich also auf derartiges einlassen kann und will, wird mit einem Psycho-Drama der besonderen Art belohnt fernab vom Mainstream. Mancher wird es zu schätzen wissen.




Kurzkritiken Rampart (Oren Moverman) 9/10 1 9 9


     
Ein Psychogramm eines Besessenen. Ohne Kompromisse, ohne aufgesetzten Krimi-Plot und ohne Identifizierungsmöglichkeiten fernab vom Mainstream. Woody Harrelsons schauspielerischem Tour-de-Force-Ritt zuzuschauen macht die Spannung des Filmes aus.