Film


Heaven's Gate

Heaven's Gate

- Das Tor zum Himmel -
(Heaven's Gate)

Michael Cimino

 



Übersicht


Filmtyp : Spielfilm
Originalsprache : Englisch
Stichwort : New Hollywood
Produktionsland : USA
Länge (Minuten) : 3 Stunden 39 Minuten
 
Thema : Johnson-County-War, Einwanderer, Viehzüchtervereinigung, Massenmord
 
 


Kurzbeschreibung


»Heaven's Gate« ist ein Western von Michael Cimino. 1980 ist der Film zuerst erschienen. In den Hauptrollen spielen u.a. Kris Kristofferson, Isabelle Huppert und Christopher Walken.


Regisseur : Michael Cimino
Produzent : Joann Carelli
Drehbuchautor : Michael Cimino
Kameramann : Vilmos Zsigmond
Filmeditor : Lisa Fruchtman, Gerald B. Greenberg, William Reynolds, Tom Rolf
Filmkomponist : David Mansfield
Darsteller : Kris Kristofferson als James Averill
Isabelle Huppert als Ella Watson
Christopher Walken als Nathan D. Champion
John Hurt als Billy Irvine
Sam Waterston als Frank Canton
Jeff Bridges als John L. Bridges
Richard Masur als Cully
Brad Dourif als Mr. Eggleston
Mickey Rourke als Nick Ray
Geoffrey Lewis als Trapper Fred
Terry O'Quinn als Capt. Minardi
Joseph Cotten als The Reverend Doctor
Paul Koslo als Mayor Charlie Lezak
Ronnie Hawkins als Major Wolcott
Tom Noonan als Jake
Willem Dafoe als Man



Passion
HARVARD 1870:
Jim Averill (Kris Kristofferson) und Billy Irvine (John Hurt) begehen ihren Abschluß. In einer Rede erklärt ihnen der Reverend Doctor (Joseph Cotten), das sie und ihre Kommilitonen nun die Zukunft des Landes gestalten sollen, das es aufgrund ihres Standes und ihrer Bildung ihre Pflicht sei sich für den Aufstieg ihrer Nation einzusetzen, ihn voranzutreiben. In einem rauschenden Fest vollziehen sie den traditionellen Schritt ins Erwachsensein. Doch für Billy ist das bereits der Anfang vom Ende.
JOHNSON COUNTY, ZWANZIG JAHRE SPÄTER:
Bei einer Versammlung der Viehzüchtervereinigung begegnen sich Jim und Billy wieder. Jim ist jetzt Marshal und setzt sich für die Rechte der Siedler ein. Billy arbeitet für die Vereinigung. Ein Gesetz zur Besitzregelung frei grasender Rinder, welche bis hierhin vom Finder genutzt werden konnten sofern die Besitzverhältnisse nicht eindeutig geklärt waren, stuft die Einwanderer, deren überleben oft von frei laufendem Vieh abhing, nunmehr als Verbrecher ein, sollten sie solche Tiere schlachten. Noch mehr wurde von der Viehzüchtervereinigung eine Todesliste mit über hundert Namen von Siedlern erstellt, deren handeln diesbezüglich bekannt war. Billy ist von der Vorgehensweise erschüttert, widerspricht zwar vehement, handelt aber nicht und bleibt passiv, während Jim eindeutig Partei für die Besitzlosen ergreift. Auch die Prostituierte Ella (Isabelle Huppert), in die Jim verliebt ist, steht auf der Liste, lässt sie sich von ihren Freiern doch auch mit Vieh bezahlen. Dann ist da noch ein anderer Mann in Ellas Leben, Nate Champion (Christopher Walken), der als Killer für die Viehzüchtervereinigung arbeitet und nun in einen Gewissenskonflikt gerät. Sein Boss Canton (Sam Waterstone) engagiert 50 weitere Killer um dem „Treiben“ der zumeist osteuropäischen Einwanderer ein für allemal Einhalt zu gebieten. Gemeinsam mit James Bridges (Jeff Bridges), einem Saloon-Besitzer, organisiert Jim den Widerstand.





Poetry
Der amerikanische Traum und seine Kehrseite. Blut, Schweiß und Tränen. Noch mehr Blut, noch mehr Schweiß und noch mehr Tränen. Der Neuanfang in der neuen Welt wird zum Ende allen Seins. Nicht nur der American Dream zerplatzt, sondern auch alles was er verkörpert. Wie die Körper der Einwanderer, die ebenfalls zerplatzen, zerfetzt werden von der puren Gewalt der Waffen, mit denen dieses Amerika geschaffen wurde. Diese Waffen und die Gewalt die von ihnen ausgeht sind das Fundament auf denen dieses Amerika immer noch steht. Selten wurde dies auf der großen Leinwand deutlicher gemacht als hier. Doch auch hier gibt es dieses andere Amerika, dieses Amerika als Sehnsuchtsort, als Idee die so groß ist, das sich wieder und wieder Menschen aus aller Welt hingezogen fühlen zu diesem anderen Amerika, Gods Own Country, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, welches eigentlich ein Traum ist, oder eine Erinnerung. Eine Erinnerung in Sepia, wie ein altes Foto. Ein Foto von den Urgroßeltern, von denen, die es gewagt haben, die den Schritt über den großen Teich gemacht haben, aus dem alten Europa in die neue Welt. Eine Erinnerung die vielleicht nur eingebildet ist, die vielleicht nur eine Idee ist, eine Idee die man behütet wie einen Schatz, oder vielleicht wie einen Traum den man mal geträumt hat, an den man sich nicht wirklich erinnern kann, von dem aber ein Teil scheinbar immer gegenwärtig ist und den man mit sich durchs Leben trägt. Man vergisst ihn für eine Weile, aber irgendwann ist er wieder da, und man ist froh darüber, das man ihn nicht endgültig vergessen hat. Und doch ist man auch gleichzeitig irgendwie traurig. Traurig weil man insgeheim fühlt, eigentlich auch insgeheim weiß, mit wieviel Leid und Entbehrungen alles verbunden gewesen sein muss. Darin besteht die eigentliche Leistung von Michael Cimino. Er hat es verbildlicht, hat es verstanden dieses Gefühl, diese Erinnerung, diesen Traum zu erfassen und auf die große Leinwand zu bringen. Den amerikanischen Traum, und seine Kehrseite. Für immer und unsterblich.




Kurzkritiken Heaven's Gate (Michael Cimino) 8/10 2 6 10


     
Das es ein totaler Flop war, kann ich nicht verstehen, aber doch finde ich, dass der Film durchaus seine Längen hat und teilweise zäh wirkt

     
"Heaven's Gate" ist der Höhe- und End-Punkt des New Hollywood, ein Jahrhundertfilm.




Heaven’s Gate – Das Tor zum Himmel ist ein US-amerikanischer Spätwestern von Michael Cimino aus dem Jahr 1980. Die Handlung spielt um 1890 im US-Bundesstaat Wyoming. Hintergrund ist der historische Johnson County War, in dem amerikanische Großfarmer versuchten, osteuropäische Einwanderer zu vertreiben.

Das ambitionierte Geschichtsepos, dessen Produktionskosten während des Drehs explodierten und es zu einem der bis dahin teuersten Filme überhaupt machten, wurde von der Kritik verrissen und vor allem kommerziell zu einem der größten Flops der Kinogeschichte. Erst später erfuhr der Film – vor allem in Europa – eine gewisse Würdigung.

Regisseur Michael Cimino hatte gerade für seinen Antikriegsfilm Die durch die Hölle gehen mehrere Oscars gewonnen, weshalb ihm das produzierende Studio United Artists bei seinem neuen Projekt, einem gesellschaftskritischen Spätwestern, weitestgehend freie Hand ließ. Die Studioverantwortlichen waren von dem Drehbuch und den Vorstellungen Ciminos nachhaltig „überwältigt“. Im Laufe der Arbeiten kam es zu Verzögerungen und Budgetüberschreitungen; in der Branche machte der Witz die Runde, dass Cimino wegen seines geradezu manischen Perfektionismus bereits nach vier Drehtagen fünf Tage im Rückstand sei. Der Abriss und Neubau einer kompletten Straßenkulisse für mehr als eine Million US-Dollar, nur weil Cimino die Gebäude zu dicht standen – und das, obwohl die Kulisse exakt nach seinen Plänen errichtet worden war – zeigte mehr als deutlich, dass die Produktion völlig aus dem Ruder gelaufen war. United Artists unterstützte die Dreharbeiten jedoch bis zuletzt. Das Budget, das für einen Western bereits mit ungewöhnlich hohen 20 Millionen US-Dollar veranschlagt worden war, lag am Ende mehr als doppelt so hoch. Schließlich waren 220 Stunden Filmmaterial im Kasten.

Als Cimino nach acht Monaten Schnitt seinen Film mit einer vereinbarungswidrigen Laufzeit von fünf Stunden fünfundzwanzig Minuten United Artists vorstellte, ordnete das Studio an, den Film auf eine vermarktungsfähige Länge zusammenzuschneiden. Bei der Premiere am 19. November 1980 war der Film mit drei Stunden und 40 Minuten immer noch sehr lang. Die Kritiken waren vernichtend. Die New York Times etwa sprach von einer „Katastrophe“ und verglich den Film mit einer „erzwungenen Vier-Stunden-Führung durchs eigene Wohnzimmer“. Diese und weitere Verrisse traten eine „Lawine der Ablehnung“ los. Neben häufig genannten Mängeln wie einer sich wiederkehrend verzettelnden und ermüdenden Handlung richtete sich ein Teil der Kritik auch gegen die als „unpatriotisch“ empfundene Revision der amerikanischen Entstehungsgeschichte. Warum aber auch Filmkritiker, die für ihre differenzierten und gesellschaftskritischen Positionen bekannt waren und dem Projekt ursprünglich sehr wohlwollend gegenübergestanden hatten, in einen geradezu hämisch-gehässigen Chor des Totalverrisses einstimmten, ist unklar. Eine Rolle scheint dabei gespielt zu haben, dass vielen die großspurigen Ankündigungen des Shootingstars Cimino missfielen, der während des Drehs nicht müde geworden war zu betonen, man sei dabei, ein Meisterwerk zu schaffen.

Cimino zog die vorliegende Fassung nach dem Sturm der Ablehnung zurück, um sie neu zu schneiden. Ein halbes Jahr später wurde eine um weitere 70 Minuten gekürzte Fassung in die Kinos gebracht, die aber nur knapp ein Zehntel der rund 44 Millionen US-Dollar Kosten einspielen konnte. Kurz nachdem die stark gekürzte Fassung aus den Kinos verschwunden war, wurde die Premierenfassung beim Kabelsender Z Channel in Los Angeles als „Director’s Cut“ gezeigt. Dies war das erste Mal in der Filmgeschichte, dass eine so bezeichnete Schnittfassung in die Vermarktung ging. Auf der Berlinale 2005 war die restaurierte Fassung von Heaven’s Gate zu sehen (225 Minuten bei 24 Bildern pro Sekunde). Die deutsche DVD-Fassung von 2001 ist gegenüber der restaurierten Fassung leicht gekürzt. Der Dokumentarfilm „Final Cut: The Making and Unmaking of ‚Heaven’s Gate‘“ von Michael Epstein (wurde auf der Berlinale 2005 gezeigt) befasst sich mit der Entstehungsgeschichte.

„Es ist wie so häufig mit einst behinderten oder verbotenen Filmen: Wenn man sie heute sieht, kann man nur schwer begreifen oder nachvollziehen, was den Skandal eigentlich auslöste. […] Doch welche Kraft muss solch ein Werk haben, wenn es seine Sogwirkung auch noch am kleinen schmalen Bildschirm voll entfalten kann! […] Grübeln über mögliche Gründe für das herbeigeredete Fiasko: ‚Heaven’s Gate‘ sei ‚unpatriotisch‘, zeige in aller Ausführlichkeit und opernhafter Monumentalität, wie sehr dieses Land auf Brutalität und nackter Gewalt errichtet worden ist. Doch wie viele Filme aus Amerika davor und danach haben das schon gezeigt?“

– Michael Hanisch: Zum Abheben – Michael Cimino’s „Heaven’s Gate“ erlebte seine verdiente Würdigung

Für Regisseur Cimino, dem nach seinem Erfolg mit Die durch die Hölle gehen eine glänzende Zukunft vorausgesagt worden war, wurde es in den folgenden Jahren praktisch unmöglich, einen amerikanischen Produzenten für seine Filmprojekte zu gewinnen. Mit dem fünf Jahre später von Dino De Laurentiis produzierten Gangsterfilm Im Jahr des Drachen konnte Cimino einen Teil der US-amerikanischen Filmkritiker wieder für sich gewinnen, seine nachfolgenden Filme blieben jedoch erneut hinter den Erwartungen zurück.

Die Transamerica Corporation reagierte auf den Misserfolg des Films mit dem Verkauf der Produktionsfirma United Artists an Metro-Goldwyn-Mayer und zog sich damit vollständig aus dem Filmgeschäft zurück. Der Vorstand hatte befürchtet, die heftige Kritik an dem Film könne dem Image des Unternehmens nachhaltig schaden. Die weit verbreitete Annahme, dass United Artists wegen dieses Misserfolgs habe Konkurs anmelden müssen, ist jedoch nicht richtig. Der Verlust war zwar ein schwerwiegender Schlag, allerdings konnte das Studio mit der erfolgreichen James-Bond-Reihe auf eine einträgliche, dauerhafte Geldquelle zurückgreifen.

Heaven’s Gate markiert den Punkt in der Geschichte Hollywoods, an dem die Studios wieder deutlich mehr Einfluss auf die Filmproduktion nahmen: „[…] die Macht eines Regisseurs, die so weit ging, ein ganzes Studio in den Bankrott zu treiben, sei gebrochen worden“.