Literarisches Werk


Kämpfen

Kämpfen

(Min Kamp VI)

Karl Ove Knausgård

 



Übersicht


Originalsprache : Norwegisch
 
Thema : Ehekrise, Krankheit
Ort : Norwegen
 
Verlag : Luchterhand Literaturverlag
 


Kurzbeschreibung


»Kämpfen« ist ein Roman von Karl Ove Knausgård. 2011 wurde das literarische Werk zuerst veröffentlicht.


Nach 1.269 Seiten ´Kampf` mit Knausgards letztem Autobiographie-Roman ´Kämpfen` blickt man erschöpft zurück und wundert sich über sich selbst, diesen Lesemarathon durchgehalten zu haben. Dabei zähle ich zu den Lesern, die ohnehin nicht alle, sondern - in meinem Fall - nur drei der sechs Bände umfassenden Beichte (Sterben, Lieben und eben Kämpfen) über sich haben ergehen lassen. Das soll nicht negativ klingen, stimme ich doch mit den zahlreichen Rezensenten überein, die kundtun, etwas Derartiges noch nie gelesen zu haben. Von den auf dem rückseitigen Taschenbuch-Cover zitierten Meinungen kann ich mich vor allem mit der von Jeffrey Eugenides anfreunden, der bemerkt, dass er das Gefühl gehabt habe, ´ein Menschenleben in sich aufzusaugen`.
Neben den familiären Alltäglichkeiten, die hier wieder einmal schonungslos und detailversessen ausgebreitet werden, stechen vor allem die Ausflüge in Literatur und Geschichte hervor, die Knausgard hier unternimmt, wobei seine Replik auf Paul Celans ´Todesfuge` und Hitlers Jugendjahre in Wien nebst seinem Buch ´Mein Kampf` im Zentrum stehen. Seine damit im Zusammenhang stehenden Einsichten förderten für mich so manches Neue zutage. Die Probleme, die der Autor mit seinem Vater hatte und nach dessen Tod immer noch hat, bestimmten u.a. wohl auch den Titel dieses letzten Bandes, sucht er doch nicht nur bei Hitler, sondern auch bei vielen anderen namhaften Literaturgrößen (u.a. Kafka) diese Vater-Sohn Probleme zu thematisieren. Überhaupt veranstaltet er einen Ritt durch die Literatur, um seinen eigenen Standort zu erkunden. Alle großen Namen sind hier versammelt: Dostojewski, Proust, Flaubert, Joyce, Stefan Zweig und Cervantes, aber auch Thomas Mann und Hermann Broch, um nur die wichtigsten zu nennen, und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass er so ganz nebenbei sen überbordendes Wissen unbedingt an den Leser bringen will. Darüber hätte er leicht ein weiteres Buch, wenn nicht zwei Bücher, schreiben können.
Weiterhin arbeitet er sich an Vaters Bruder, seinem Onkel Gunnar ab, der ihm hinsichtlich der Verwendung seines Namens und angeblicher Falschdarstellungen in seinen Büchern mit juristischen Konsequenzen droht.
Zum Schluss schildert er die gesundheitlichen Probleme seiner unter manischer Depression leidenden Frau Linda und kommt am Ende zu der etwas seltsamen Erkenntnis, dass er mit seinen schriftstellerischen Eskapaden seiner Familie erhebliches Leid zugefügt habe (´Ich habe Linda so gern und ich habe unsere Kinder so gern. Ich werde mir nie verzeihen, was ich ihnen angetan habe, aber ich habe es getan, damit muss ich leben`).





Paul Berf, Ulrich Sonnenberg (2017)



Kämpfen
Kämpfen
(Karl Ove Knausgård)

Luchterhand Literaturverlag, 2017, Geb.
29,00 €

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