Literarisches Werk


Die Eissphinx

Die Eissphinx

(Le Sphinx des glaces)

Jules Verne

 



Übersicht


Originalsprache : Französisch
Genre : Abenteuerliteratur
Umfang : ca. 448 Seiten
Thema : Südpol

Kurzbeschreibung


»Die Eissphinx« ist ein Roman von Jules Verne. 1897 wurde das literarische Werk zuerst veröffentlicht.

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Eine phantastische Reise ins Südpolarmeer
Der in Ich-Form erzählende, finanziell unabhängige amerikanische Wissenschaftler Jeorling reist im Jahr 1839 auf dem Handels-Schoner Halbrane des Kapitäns Len Guy quer durch die südliche Hemisphäre, von den Kerguelen über die Price-Edward-Inseln nach Tristan de Cunha und von dort zu den Falklands. Anstatt, wie ursprünglich geplant, von hier aus die Heimreise anzutreten, bleibt Jeorling an Bord und schliesst sich Kapitän Guy an, der nach der Lektüre von Allan Poes Geschichte des Arthur Gordon Pym, die er nicht als Dichtung, sondern als die Wahrheit erkannt zu haben glaubt, in der Hoffnung, seinen Bruder zu finden, nach Süden aufbricht. Auf der Fahrt über die südöstlich gelegenen Sandwichs und durch das Packeis ins südliche Polarmeer, wird der Mitreisende Joerling fast bis ins Detail mit Edward Allan Poes Geschichte und Pyms Erlebnisse auf der „Jane“ aus Liverpool und zuvor auf der gekenterten „Grampus“ konfrontiert.
Kapitän Len Guy wird im Verlaufe der Reise durch den auf den Falklands angeheuerten Matrosen Hunt in dem Glauben bestärkt, dass sein Bruder, der Kapitän der Jane elf Jahre zuvor den Überfall von wilden Eingeborenen auf der Insel Tsalal überlebt hat, und irgendwo dort auf einer anderen Insel lebt, und immer weiter nach Süden getrieben. Auf der mehrmonatigen Fahrt gibt sich Hunt als Dirk Peters zu erkennen, der sich mit Pym per Boot von Tsasal retten konnte, diesen unterwegs aber verloren hatte und mit dessen Tagebuchnotizen allein nach Amerika zurückgekehrt war, wo er Pyms Aufzeichnungen an Edgar Allan Poe weitergab. Seine Heuer auf der Halbrane hat allein die Wahnvorstellung zum Ziel, seinen ihm ans Herz gewachsenen Begleiter Pym wiederzufinden. So haben er und Kapitän Guy, anfangs voneinander unwissend, das gleiche Ziel, dass durch die Geschichte Poes verknüpft wird.
Die Insel Tsalal findet man nach einer zwischenzeitlich sich ereigneten Natur--katastrophe unbewohnt vor und setzt die Suche nach Süden hin fort. Als die Halbrane mit einem sich drehenden Eisberg kollidiert und auf diesen katapultiert wird, muss sie aufgegeben werden, doch gelingt es, bevor sie in den Fluten versinkt, sie zu entladen und Vorräte Gerätschaften und ein verbliebenes Boot zurückzuhalten. Auf dem Eisberg treiben Guy und die Seinen mit der unaufhaltsamen Strömung dem Südpol entgegen, passieren diesen und landen an einem Festlandssockel, wo sie den Eisblock verlassen und sich in einer grossen Naturhöhle einrichten können. Als auf dem einzig ihnen verbliebenen Boot der aufsässige Matrose Hearne, um sein und das der von ihm aufgestachelten elf Männern Leben zu retten, flieht, bleiben die Übrigen hoffnungslos zurück. Die Chance, trotzdem zu überleben, ergibt sich, als Dirk Peters ein vorbeitreibende Boot an Land holen kann, in dem man den dem Hungertode nahen William Guy findet, den gesuchten Bruder des Kapitäns. Kurz darauf macht man sich auf, die nun gen Norden Richtung Australien, Neuseeland fliessende Strömung nutzend, um noch vor Winterbeginn die eisfreie Zone nördlich des Packeisgürtels zu erreichen.
Das diesem Roman den Titel gebende Ereignis ereignet sich dann, als die Männer der Paracuta, so hatte man das letzte verbliebene Boot getauft, sich einem Eisungeheuer in der Form einer Sphinx näherten und alle eisenhaltigen Gegenstände von diesem, sich als riesiger Magnet entpuppenden Eisblock angezogen wurden und an diesem hängen bleiben. Hier fand man auch die Leichen von Hearne und seinen Männern, deren mit Eisen beschlagenes Boot an dem Riesen zerschellt war. Als man den Sockel der Shinx betrat stiess man zudem auf die Leiche Arthur Pyms, die mit dem Gewehr um den Körper ebenfalls an der Wand klebte. Nur, weil die Paracuta als Eingeborenenboot keinerlei Eisenteile enthielt, hatten die Männer um die beiden Kapitäne Guy überlebt. Mit viel Glück gelang schliesslich die Fahrt durch das Packeis, hinter dem man von der Tasman, einem amerikanischen Dreimaster aufgelesen wurde und in Melbourne die abenteuerliche Reise beenden konnte.





Das Schicksal Arthur Gordon Pyms als Fortsetzung
Ohne Edgar Allan Poes Roman (Erzählung, Novelle?) über "die Erlebnisse des Arthur Gordon Pym aus Nantucket" gelesen zu haben, wird der Leser der „Eissphinx“ sich in der dargebotenen Handlung nur schlecht zurechtfinden können. Genial von Jules Verne, mit seinem Roman an den von Poe anzuknüpfen, und diesem sozusagen eine Fortsetzung angedeihen zu lassen. Ein Bindeglied zwischen „Poe“ und „Verne“, verlockend für jeden abenteuerlustigen Leser, der hier voll auf seine Kosten kommt. Dass zudem aus der vermeintlichen Dichtung Poes der Autor hier, wiederum in Romanform, einen Tatsachenbericht zu konstruieren versucht, der dann aber seinerseits ins Phantastische abgleitet, ist schon ein grandioses Unterfangen. Das 1897 veröffentlichte Werk erinnert in seiner Formulierungsdidaktik weitgehend an Karl May und wirkt aus heutiger Sicht streckenweise trotz der sich aneinanderreihenden spannenden Ereignisse etwas zähflüssig. Aber allemal eine Lesevergnügen.




Übersetzung


Stefan Reisner (1971)
Barbara Klau-Wille, Hansjürgen Wille (1985)



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