Film


Der Mann aus Marseille

Der Mann aus Marseille

(La Scoumoune)

José Giovanni

 



Übersicht


Filmtyp : Spielfilm
Originalsprache : Französisch
Produktionsland : Frankreich
Länge (Minuten) : 1 Stunde 40 Minuten
 
Ort : Marseille
Zeit : 1934
 


Kurzbeschreibung


»Der Mann aus Marseille« ist ein Gangsterfilm von José Giovanni. 1972 ist der Film zuerst erschienen. In den Hauptrollen spielen u.a. Jean-Paul Belmondo, Claudia Cardinale und Michel Constantin.


Regie : José Giovanni
Produktion : Ralph Baum
Drehbuch : José Giovanni
Kamera : Andréas Winding
Schnitt : Françoise Javet
Filmkomposition : Francois de Roubaix
Darsteller : Jean-Paul Belmondo als Roberto Borgo
Claudia Cardinale als Georgia Saratov
Michel Constantin als Xavier Saratov
Enrique Lucero als Migli, der Mexikaner
Alain Mottet als Ficelle
Michel Peyrelon als Der Elegante
Jacques Maury als Der Kassierer
Philippe Brizard als Fanfan
Aldo Bufi Landi als Jeannot Villanova
Luciano Catenacci als Der Spanier
Jacques Debary als Carl
Gérard Depardieu als Gangster
Andréa Ferréol als Prostituierte
Jacques Rispal als Monsieur Dubois
Henri Vilbert als Graville
Pierre Collet als Der Gefängnisaufseher



Vom Pech verfolgt
Marseille 1934: Roberto Borgo (Jean-Paul Belmondo) ist ein pragmatischer Mann. Seit sein bester Freund Xavier (Michel Constantin) unschuldig wegen Mordes im Gefängnis sitzt, kämpft er sich ohne Kompromisse zu machen durch die Unterwelt von Marseille ganz nach oben, mit dem Ziel irgendwann die wahren Täter zu finden. Dabei macht er auch nicht davor halt, mit Waffengewalt seine Ziele durchzusetzen. Bald kontrolliert er Glücksspiel, Prostitution, sprich alles was das Milieu so hergibt. Unterstützung erfährt er dabei von Migli (Enrique Lucero) einem ehemaligen Kampfgefährten aus Mexiko, sowie von der Schwester Xavier's, Georgia (Claudia Cardinale). Nach einigen schweren Revierkämpfen landet auch Roberto im Knast. Wieder vereint planen Xavier und Roberto ihren Ausbruch, als der zweite Weltkrieg ausbricht. Doch das bleibt nicht die einzige zu überwindende Hürde. Immer wieder laufen die Dinge anders als erwartet. Das hält die beiden jedoch nicht davon ab, ihre Pläne weiter zu verfolgen. Komme, was da wolle.





Bis zum bitteren Ende
José Giovanni's Gangster-Film aus dem Jahr 1972, basierend auf einem eigenen Roman, hatte es vor der Kritik nicht leicht. Zu unglamourös, zu ambivalent bleiben die Charaktere, allen voran Bebel, der dieser Tage seinen Achtzigsten feiert, in dieser düsteren Geschichte über eine kriminelle Karriere die gänzlich uneigennützig, einzig dem Pragmatismus seiner Hauptfigur geschuldet ist. Immer wieder entstehen Momente in denen die drei Hauptfiguren auf sich selbst zurückfallen, innehalten, begreifen das sie nicht anders können. Das sie sich nur treu bleiben werden, wenn sie weiter machen. Dabei gibt es in den wenigen Situationen, in denen die drei aufeinander treffen, absolute Klarheit worum es hier geht. Um Verbundenheit, Loyalität, Treue. Georgia, Xavier und Roberto gehören zusammen. Roberto liebt Georgia, Xavier ist wie ein Bruder für ihn. Sie würden alles füreinander tun. Leider führt ihr Weg, und das ist nicht allein dem Zeitgeschehen geschuldet, in die Sackgasse.

José Giovanni, selbst ein ehemaliger Krimineller, war aufgrund seines Werdegangs dafür prädestiniert derartige Geschichten zu erzählen. Seine Filme sind nie strahlend schön sondern immer rau und direkt. Er betreibt keine Schönfärberei, wirkt manchmal zynisch, aber nie verlogen. Das gefällt natürlich nicht jedem. Soll es auch nicht. Mittlerweile wird sein Werk, es ist recht umfangreich, etwas mehr geschätzt als früher. Sowohl seine Drehbücher (z.B. zu Jean-Pierre Melville's Der zweite Atem, 1966), Romane (DIE ABENTEURER) und Regie-Arbeiten sprechen eine deutliche Sprache. Die Sprache eines Insiders. Nicht umsonst wurden einige seiner Werke zu Klassikern, wie bspw. ENDSTATION SCHAFFOTT (1973). DER MANN AUS MARSEILLE ist nur vordergründig ein Gangster-Film wie viele. Hinter seiner Fassade verbirgt sich eine traurige Ballade über Freundschaft, Liebe und Tod.

PS: In einer kleinen aber eindrucksvollen Nebenrolle ist übrigens der junge Gerard Depardieu zu sehen.





     
Im Schmelztiegel Marseille spielende Verbrecher-Ballade, die besser ist als ihr Ruf, mit einigem Tiefgang und tollem Hauptdarsteller-Trio.