Übersicht


Filmtyp : Spielfilm
Originalsprache : Englisch
Stichwort : New Hollywood
Produktionsland : USA
Länge (Minuten) : 1 Stunde 54 Minuten
Thema : Hippies, Mord, Polizei, Verbrechensbekämpfung, Ermittlung
Figur : Polizeibeamter
Ort : Arizona

Kurzbeschreibung


»Harley Davidson 344« ist ein Filmdrama, Roadmovie und Polizeifilm von James William Guercio. 1973 ist der Film zuerst erschienen. In den Hauptrollen spielen u.a. Robert Blake, Billy Green Bush und Mitchell Ryan.


Regie : James William Guercio
Produktion : James William Guercio, Rupert Hitzig
Drehbuch : Robert Boris
Kamera : Conrad L. Hall
Schnitt : Gerald B. Greenberg, John F. Link, Jim Benson
Filmmusik : James William Guercio
Darsteller :
Robert Blake John Wintergreen
Billy Green Bush Zipper
Mitchell Ryan Harve Poole
Jeannine Riley Jolene
Elisha Cook Willie
Royal Dano Coroner
David J. Wolinski David, VW-Bus-Fahrer
Peter Cetera Bob Zemko
Terry Kath Killer
Nick Nolte Hippie



Electra Glide in Blue
John Wintergreen (Robert Blake, in der deutschen Synchronfassung heißt er Winterberg) ist ein Motorrad-Cop in Arizona, der gemeinsam mit seinem Partner Zipper (Billy `Green' Bush) tagein tagaus auf seiner Harley die endlos einsamen Highways auf der Suche nach Verkehrssündern abfährt. Er will weiterkommen im Leben, träumt von einem Aufstieg zum Kriminalbeamten, will in zivil arbeiten, dafür bezahlt werden, das er sein Hirn benutzt. Seine Chance erhält er, als ein Einsiedler tot in seiner Hütte aufgefunden wird. Was auf den ersten Blick wie ein Selbstmord aussieht, entpuppt sich bald als raffinierte Mordtat, zu deren Ermittlung es nur Dank Wintergreens Intervention kommt. Damit erlangt er die Aufmerksamkeit des leitenden Kommissars Harve Poole (Mitchell Ryan), der ihn nun zu seinem Fahrer macht. Wintergreen engagiert sich in der Hoffnung, den Grundstein für seinen beruflichen Aufstieg zu legen. Bald jedoch kommt es zu einer privat motivierten Auseinandersetzung zwischen ihm und seinem vermeintlichen Mentor, der ihn schnurstracks wieder in den Streifendienst zurück versetzen lässt, was ihn nicht davon abhalten kann weiter zu ermitteln.





Die Antithese
Waren es in Dennis Hopper's (zufällig) wegweisendem Regie-Debüt EASY RIDER (1969) noch die Rocker und die Blumenkinder, die der Gesellschaft den Stinkefinger zeigten, Sex, Drogen und Rock'N'Roll konsumierten als gäbe es kein Morgen, setzt Musik-Produzent und Debüt-Regisseur James William Guercio die Gegenseite, genauer, einen Streifen-Polizisten (sensationell verkörpert von Robert Blake), in den Mittelpunkt seiner auf Tatsachen basierenden Geschichte. Vietnam, Flower Power und Marihuana spielen auch hier eine nicht unwesentliche Rolle, auf den ersten Blick mutet die ausschließlich aus Perspektive des Protagonisten erzählte Story gar konservativ an, was zur Entstehungszeit des Werkes auch gründlich missverstanden wurde und zu Protesten und heftigen Kritiken führte. Tatsächlich ist ELECTRA GLIDE IN BLUE deutlich komplexer angelegt, hinterfragt die gesellschaftlichen Vorgänge und übt deutliche Systemkritik an beiden Extremen, sowohl an der Exekutive in Form des Polizeiapparates und seiner Willkühr im Umgang mit Außenseitern, als auch an den Außenseitern selbst, vertreten durch Hippies und Rocker, und ihrem gestörten Verhältnis zu der Welt in der sie leben und der damit einhergehenden Freiheit die ihnen diese Gesellschaft erst ermöglicht. Untermauert wird der Aspekt der Antithese durch zwei Szenen in denen überdeutlich ein Bezug zu EASY RIDER hergestellt wird, etwa so, wie es Howard Hawks in RIO BRAVO (1957) gegenüber HIGH NOON (Fred Zinnemann 1952) getan hat. Die geniale Schlußsequenz entlässt den Zuschauer mit einem langen Moment fassungsloser Schönheit und einer brillianten Kamerafahrt von Conrad L. Hall, der den Film für eine Mini-Gage fotografierte und von seinem Regisseur den Auftrag erhielt, das Monument Valley in den schönsten Totalen einzufangen, ganz so wie es einst durch Regie-Legende John Ford, unter anderem in THE SEARCHERS (1956), weltberühmt gemacht wurde. Auch so ein Film, der meist falsch verstanden wird. Damit reiht sich ELECTRA GLIDE IN BLUE nahtlos zwischen New-Hollywood-Großtaten wie TWO-LANE BLACKTOP (Monte Hellman 1971) und VANISHING POINT (Richard C. Sarafian 1971) ein. Einen ähnlichen Kultstatus hat er längst sicher.





     
Ein Polizist ist auch nur ein Mensch. New-Hollywood-Großtat über die Sehnsüchte eines kleinen Mannes und melancholisch bitteres Zeitdokument in überwältigenden Bildern.




HARLEY DAVIDSON 344 (ELECTRA GLIDE IN BLUE) ist die einzige Regiearbeit des Musikers James William Guercio (Chicago) und ein vergessenes Meisterwerk des New Hollywood der 1970er Jahre.

Auszeichnungen

Der Film wurde vor dem Kinostart bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes im Mai 1973 gezeigt.

Bei den Golden Globe Awards von 1974 war Robert Blake in der Kategorie Bester Hauptdarsteller nominiert.