Literarisches Werk


Die Information

Die Information

- Geschichte, Theorie, Flut -
(The Information)
(- A history, a theory, a flood -)

James Gleick

 



Übersicht


Originalsprache : Englisch
Umfang : ca. 527 Seiten
 


Kurzbeschreibung


»Die Information« ist ein Sachbuch von James Gleick. 2011 wurde das literarische Werk zuerst veröffentlicht.


Die „Welt als Symbole in Elektrizität“
James Gleick, Journalist und Autor – bekannt unter anderem für seine Newton- und Feynman-Biographie –, legt mit „Die Information“ den ambitionierten Versuch vor, einen gesamtgesellschaftlichen Paradigmenwechsel zu erfassen: Die Information als Konzept des 21. Jahrhunderts, welches die Energie (19./20. Jahrhundert) abzulösen beginnt.

Dabei startet die Geschichte bereits viel früher, mit den sogenannten 'Buschtrommeln', welche ein ausgefeiltes (Fern-)Kommunikationssystem realisieren, dessen Qualität und Quantität erst wieder im Europa des 19. Jahrhunderts erreicht wird. Mit Einsetzen der Schrift- und Rechensprache schließlich gelingt allmählich ein Abstraktionsgrad, der eine durable Distanz zum Zeichensystem ermöglicht und somit Organisation/Verwaltung sowie Erkenntnis katalysiert. Das Maschinenzeitalter (so versucht Gleick am Beispiel des Erfinders Charles Babbage deutlich zu machen) treibt diese Distanz weiter voran, indem die technische Substanz an sich als operativer Akt (mehr oder weniger bewusst) in Erscheinung tritt, was schließlich auch zu einer folgenreichen Initialverbindung von Mathematik und Logik führt. Die volle Bewusstwerdung setzt jedoch erst mit vereinzelten Arbeiten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein – darunter Harry Nyquists und Ralph Hartleys Publikationen, in denen der Informationsbegriff als theoretische Größe eingeführt und quantitativ beschrieben wird oder Claude Shannons Diplomarbeit, welche die boolesche Logik direkt auf Schaltkreise elektronischer Systeme anwendet. Das Ganze kulminiert schließlich in der informationstheoretischen Gründungsschrift 'The Mathematical Theory of Communication' – Shannons Verallgemeinerung von 1949. Der Impact ist gewaltig – die Psychologie ersetzt die behavioristische Black Box durch Signalverarbeitungsprozesse, die Biologie lokalisiert und entschlüsselt die Doppelhelix, die Kommunikationstechnik erhält einen Qualitäts- und Entwicklungsschub, die Kybernetik bringt die Informatik hervor, die Kulturwissenschaft entdeckt das Mem für sich und die Mathematik fängt an, strukturelle Komplexität zu ergründen. Mit Shannons Definition der Information als Entropie (je nach Sichtweise positiv oder negativ) wird auch der maxwellsche Dämon wieder aus seiner Kiste geholt und infolge der Arbeit von Rolf Landauer und Charles Bennett dort wieder verschlossen, allerdings zum Preis der Etablierung von Information als (nun auch) physikalischer Größe.

Es lässt sich also erkennen, dass das Informationsuniversum genauso real ist wie Informationsflut (im Gesellschaftlichen) und Energie (in der Natur). Der ontologische Status indes ist noch nicht letztgültig geklärt, obwohl die Wirkmächtigkeit unumstritten ist. Deshalb hat Gleick wahrscheinlich auch auf philosophische Implikationen verzichtet. Auch anthropologisch-semantische Aspekte bleiben weitgehend außen vor, was einerseits aus Raumgründen verständlich erscheint, andererseits durch eine Bibliographie hätte kompensiert werden können. Das Textverfahren – die Skizzierung einer Geschichte und Theorie der Information anhand historischer Beispiele – verleiht einem ergänzenden Literaturverzeichnis ebenfalls Dringlichkeit, denn die Gesamtdarstellung des (nahezu) ausufernden Begriffs führt zwar einerseits interessante Zusammenhänge vor Augen (vor allem historisch, sprich: Mediales, Mentales, Metaphorisches, Technisches und Theorie laufen unter dem Gesichtspunkt der Informationsarchitektur zusammen), lässt aber andererseits die potenzielle Erkenntnistiefe häufig auf der Wegstrecke zurück. Es empfiehlt sich daher, „Die Information“ als gigantischen Essay zu lesen.





     
nachhaltig, eröffnend




Almuth Braun



Rezension von Roland Pilous (2012): https://www.spektrum.de/rezension/die-information/1152086