Übersicht


Normalname : Dark Of The Sun
Filmtyp : Spielfilm
Originalsprache : Englisch
Stichwort : Literaturverfilmung
Produktionsland : Großbritannien
Literaturvorlage : Schwarze Sonne
Länge (Minuten) : 1 Stunde 35 Minuten
Figur : Söldner
Ort : Kongo
Zeit : 1960er

Kurzbeschreibung


»Katanga« ist ein Abenteuerfilm von Jack Cardiff. 1968 ist der Film zuerst erschienen. In den Hauptrollen spielen u.a. Calvin Lockhart, Oliver Despax und Jim Brown.

Mitmachen / Fehler gefundenGern kannst Du bei Kritikatur mitmachen. Als kultureller Verein, Verlag, Buchhandlung oder als Nutzer angemeldet, bieten sich Dir vielfältige Möglichkeiten, sich zu präsentieren.

Auf dieser Seite befindet sich eine falsche Angabe oder es fehlt Information. Gib uns Bescheid, um hier nachzubessern.

Besetzung


Regie : Jack Cardiff
Produktion : George Englund
Drehbuch : Adrian Spies
Kamera : Edward Scaife
Schnitt : Ernest Walter
Filmmusik : Jacques Loussier
Darsteller :
Rod Taylor Captain Krüger
David Bauer Adams
Andre Morell Bussier
Peter Carsten Captain Henlein
Yvette Mimieux Claire
Murray Kash Cochrane
Kenneth More Dr. Wreid
Danny Daniels General Moses
Jim Brown Sergeant Ruffo
Oliver Despax Lieutenant Surrier
Calvin Lockhart Ubi
Bloke Modisane Corporal Kataki


Literaturvorlage


Schwarze Sonne
Schwarze Sonne
(Wilbur Smith)





Schwarze Sonne
Kongo 1960: Die Söldner Bruce Curry (Rod Taylor) und sein Partner Mike Ruffo (Jim Brown) treffen im Land ein, um von Präsident Ubi (Calvin Lockhart) einen Auftrag entgegen zu nehmen, der sie in einem Zug 500 km weit in die von Simba-Rebellen beherrschte Provinz Katanga führen wird. Dort sollen sie ca. 75 weiße Zivilisten in Port Reprieve vor den Aufständischen retten und in sicheres, von UNO-Truppen kontrolliertes Gebiet geleiten. Das ist aber nicht alles. Denn auch ein Mann von der belgischen Bergbaugesellschaft ist bei dem Gespräch anwesend. Curry wird schnell klar, das die Zivilisten-Leben nur ein Vorwand dafür sind, nebenbei auch Diamanten im Wert von 50 Millionen Dollar aus der dortigen Mine zu transportieren. Im Gegenzug wird dem Präsidenten finanzielle staatliche Unterstützung durch die Regierungen Belgiens und den USA zugesichert. Den Söldnern bleibt nur ein drei Tage währendes Ultimatum, bis die Simbas die Stadt erreichen. 50 000 Dollar Belohnung winken bei Einhaltung der Frist. Curry sagt zu.

Mit einem Geleitschreiben als Freifahrtschein durch die UNO-Linien stellt er eine schlagkräftige Truppe bestehend aus 40 afrikanischen Söldnern unter Führung des ehemaligen deutschen Wehrmachtsoffiziers Henlein (Peter Carsten) und dem versoffenen Arzt Doctor Wreid (Kenneth More) zusammen und macht sich schwerbewaffnet mit einem Güterzug auf den Weg. Henlein ist ein alter Bekannter von Curry. Beide verbindet ihr Handwerk des Todes, aber ihre Ideologie ist eine andere. Während Curry als Profi und Zyniker par excellence seine Aufträge als Geschäft versteht, ist Henlein ein Überzeugungstäter. Er führt einfach den verlorenen Krieg in einem anderen Land auf einem anderen Kontinent weiter, angetrieben einzig von der Gier nach Reichtum und der Lust am töten. Konflikte sind vorprogrammiert. Ruffo hingegen ist gebürtiger Kongolese und versteht seinen Auftrag als patriotische Pflicht. Zudem ist er der ruhende Pol und Ausgleich für Curry`s Temperament, sein Gewissen sozusagen.

Einmal Hölle und zurück.

Nach kurzer Fahrt wird der Zug bereits irrtümlich von einer Aufklärer-Maschine der UN aus der Luft angegriffen und die ersten fünf Opfer sind zu beklagen. Nur durch Curry`s beherztes eingreifen kann schlimmeres verhindert werden. Wenig später greifen sie an der Strecke eine Frau namens Claire (Yvette Mimieux) auf, die vor den Simbas auf der Flucht ist, denen ihre Angehörigen bereits zum Opfer gefallen sind. In Hsapa Junction treffen sie auf Kinder aus einem nahegelegenen Dorf. Henlein erhält den Auftrag sie nach Hause zu bringen, erschiesst sie aber, angeblich damit sie nicht verraten, was sie gesehen haben. Als er sich in der Nacht auch noch unsanft an Claire heranmacht, kommt es zur ersten offenen Konfrontation zwischen Henlein und Curry. Dabei spielt eine Kettensäge eine nicht unwesentliche Rolle. Hier ist es Ruffo, der eingreift um zu schlichten. Man besinnt sich auf den Auftrag, wissen doch alle Beteiligten längst, das es um Diamanten geht. Gute Motivation, schlecht fürs Vertrauen. Die Söldner erreichen Port Reprieve. Dort angekommen ergeben sich neue Probleme. Zwölf Menschen in einer nahegelegenen Mission wollen bleiben um sich weiter um Schwangere, Kranke und Verletzte zu kümmern. Doch fehlt ihnen ein Arzt. Doc Wreid entdeckt sein Berufsethos neu ("Zwei gute Tage nach all den dreckigen Jahren.") und bleibt ebenfalls. Zudem hat der Chef der Mine am Safe mit den Diamanten einen Countdown eingestellt, durch den sich dieser erst in drei Stunden automatisch öffnet. Als die Zeit verstrichen ist, erreicht die Rebellenarmee unter General Moses die Stadt und greift an. Die Ereignisse überschlagen sich und Curry hat alle Hände voll zu tun, seine Leute da heraus zu bringen, die Diamanten zu sichern und sich nicht zuletzt mit dem zusehends wahnsinniger werdenden Henlein auseinanderzusetzen.





Herz der Finsternis
Ist es bei Joseph Conrad der Kongo-River, dient Wilbur Smith in seiner Romanvorlage DARK OF THE SUN - SCHWARZE SONNE aus dem Jahre 1965, die Eisenbahnlinie als Weg nicht nur ins Herz des dunklen Kontinents, sondern auch ins innere der dunklen Seele des Protagonisten. Nur gibt es hier nicht den mysteriösen Kurtz, sondern klar funkelnde Diamanten, die als Auslöser einer persönlichen Tragödie dienen. Der von einem im besten Saft stehenden Rod Taylor gespielte Bruce Curry, in der deutschen Fassung unverständlicherweise Willi Krüger, ahnt nicht welche Wandlung er durchmachen wird, als er in den Kongo kommt. Seine anfangs rein professionelle Haltung wird, je weiter die Reise geht, von persönlichen Überzeugungen untergraben. Er kann durch die provokativen Handlungen Henleins, der immer wieder seiner faschistischen Gesinnung gemäß agiert, oft nur auf den dadurch entstandenen Schaden reagieren, wobei ihm sein aufbrausender Jähzorn jede Distanz nimmt. Einzig Ruffo, sein treuer Begleiter, bremst ihn durch seine menschlichen und überlegten Einwände. Jim Brown spielt mit Ruffo einmal mehr einen sanften Riesen wie schon in RIO CONCHOS und DIRTY DOZEN. Er bildet das Herz des Filmes und harmoniert prächtig mit Taylor, der hier eine seiner eindrucksvollsten Darstellungen liefert. Mike Ruffo`s Triebfeder ist sein Einsatz für die Unabhängikeit des Kongo. Er nennt es an einer Stelle: "Mein Sturm auf die Bastille". Im Dialog mit Curry erweist sich dieser als Zyniker, als Ruffo ethische Fragen zu ihrer Rolle in diesem Krieg stellt. Durch seine Selbstreflektion wird in Curry die seine in Gang gesetzt. Doch er ist nicht fähig dazu. Als Pragmatiker bleibt ihm nur die Aufrichtigkeit seiner Freundschaft zu Ruffo, in dem Wissen diesem moralisch unterlegen zu sein. Jede Entscheidung die er im Laufe des Filmes trifft wird tragische Auswirkungen auf das was folgt haben. Der Konflikt zwischen Henlein und Curry überlagert schließlich die eigentliche Handlung und wird zu ihrer treibenden Kraft.

The Mercenaries

Die Kongo-Wirren Ende der Fünfziger bis Anfang der Sechziger Jahre bilden den geschichtlichen Hintergrund der Romanvorlage und des Filmes, dessen Drehbuch unter anderem von Ranald MacDougall unter dem Pseudonym Quentin Werty verfasst wurde. MacDougall, bekannt durch seine Mitarbeit an WE'RE NO ANGELS (1955) und CLEOPATRA (1963), wertet das Drehbuch um zeitgeschichtliche Bezüge von politischer Brisanz auf, die der eher vordergründig unterhaltenden Vorlage gänzlich abgehen, behält jedoch deren knalligen, dramatischen Ton bei. Dabei wird deutlich, das sich derartige Begebenheiten so oder so ähnlich tatsächlich zugetragen haben können. Das wird vor allem in der Figur des Henlein deutlich, dem ganz offensichtlich der berüchtigte Siegfried Müller genannt Kongo Müller als Beispiel diente. Müller, der sich einst im DDR-Propaganda-Film DER LACHENDE MANN - BEKENNTNISSE EINES MÖRDERS (1966) selbst entlarvte, war an der Niederschlagung des Simba-Aufstandes nachweislich beteiligt und prahlte später öffentlich mit seinen grausigen Taten. Peter Carsten spielt seinen Charakter als blondes unberechenbares Ungeheuer so intensiv, das einige Szenen in der deutschen Fernsehfassung der Schere zum Opfer fielen. So ist auf der mir vorliegenden MGM-Videokassette von 1985 unter anderem die Szene enthalten, in der er die Kinder umbringt und sich anschließend achselzuckend dafür rechtfertigt. Die Einblendungen des an seine Brust gehefteten Hakenkreuzes sind auch hier entfernt. Oberflächlich betrachtet sehen wir natürlich ein Söldnerabenteuer der härteren Gangart, zwischen den Zeilen lassen sich doch deutliche politische Statements und einiger Tiefgang, vor allem in den geschliffenen Dialogen, entdecken, wobei ich glaube das die deutsch synchronisierte Fassung schon stark im Ton verwässert wurde. Hier wäre eine Sichtung im O-Ton sicher sehr erhellend.

Die Mutter aller Söldnerfilme

Mit seiner äußerst effektvollen Inszenierung, dank rasanter Schnitte und dem richtigen Gespür für Bilder, schafft Ehren-Oscar-Preisträger Jack Cardiff in seiner dritten Zusammenarbeit mit Rod Taylor, nach YOUNG CASSIDY (1965) und THE LIQUIDATOR (dito), einen frühen Höhepunkt des Exploitation-Kinos, der späteren Werken wie WILD GEESE oder zuletzt THE EXPENDABLES als Blaupause dienen sollte, gleichzeitig aber differenzierter und deutlich komplexer ausfällt als jene. Von der lächerlichen Quasi-Kopie TEARS OF THE SUN (2003) mit Bruce Willis will ich gar nicht reden. Das atemlose Spektakel von 1968 bietet auch aus heutiger Sicht noch brillante Actionszenen und einfallsreiche Konfrontationen mit extrem harten Kämpfen für die damalige Zeit. So kommt in der ersten Konfrontation zwischen Curry und Henlein das erste Mal in der Filmgeschichte eine Kettensäge als Waffe zum Einsatz, was später in gewissen Franchises zum einzigen Handlungsmotor werden sollte. Einige Schlüsselszenen sind in Zeitlupe zu sehen, ein Stil, den Quentin Tarantino in seinen Filmen später genau so aufgreifen sollte. Auch ist die Besetzung von Rod Taylor als Winston Churchill in INGLORIOUS BASTERDS sicher auf diesen Film zurückzuführen, verwendet doch QT auch Teile des hervorragenden Soundtracks dieses Filmes von Jacques Loussier in seinem Werk. Wenn man heute Nachrichten von Prozessen gegen afrikanische Warlords in Den Haag verfolgt und Filme wie BLOOD DIAMOND sieht, wird auch deutlich, das sich seit den Sechzigern in einigen afrikanischen Ländern nicht viel geändert hat. Die Tragödie im Gewand eines Actionfilmes verarbeitet zwar einige Klischees, wie den von Kenneth More (NORTH WEST FRONTIER, 1959) vielschichtig dargestellten Doktor, bleibt dabei aber stets glaubwürdig und unvorhersehbar. Das eigentliche Thema wird ernstgenommen und in den eng gesteckten Grenzen des Genrefilms originell verarbeitet. So bleibt KATANGA in gewisser Weise zeitlos und auch das oft bemühte Prädikat Kultfilm trifft hier ausnahmsweise mal zu.




Kurzkritiken


     
Die Mutter aller Söldner-Filme.




Linktipp: »1968« als Erscheinungsjahr haben auch