Literarisches Werk


Die Gesandten

Die Gesandten

(The Ambassadors)

Henry James

 



Übersicht


Originalsprache : Englisch
Umfang : ca. 575 Seiten
 
Besondere Liste : Meyers Kleines Lexikon - Literatur, 1001 Bücher, The Guardian 1000 Novels
 


Kurzbeschreibung


»Die Gesandten« ist ein Roman von Henry James. 1903 wurde das literarische Werk zuerst veröffentlicht.

Figuren


Lewis Lambert Strether aus Woollett (Massachusetts), Protagonist
Waymarsh aus Milrose (Connecticut), sein in Europa lebender Freund

Chadwick (Chad) Newsome, 21-jähriger US-Firmenerbe
Mrs. Newsome, seine Mutter, die ihn aus Paris wieder nach Hause holen will
Mr. Newsome, sein verstorbener Vater
Sarah (Sally) Pocock, geb. Newsome, die von ihrer Mutter nach Paris geschickt wird
Jim Pocock, ihr Mann
Mamie Pocock, dessen kleine Schwester

Maria Gostrey, Pariserin, die unabhängig in der Welt herumreist
Comtesse Marie de Vionnet, vornehme Pariserin, die von ihrem Mann getrennt lebt
Jeanne de Vionnet, ihre bildhübsche junge Tochter

John Little Bilham, ein Freund von Chad in Paris
Miss Barrace, dessen Freundin



Chadwick (Chad) Newsome, 21-jähriger Sprössling einer erfolgreichen Unternehmerfamilie aus dem amerikanischen Woollett, Massachusetts, hält sich seit geraumer Zeit in Paris auf und genießt dort das freizügige Leben. Nach dem Tode seines Vaters soll er auf Wunsch der Mutter nach Hause zurückkehren, um die Geschäfte der Familie weiterzuführen. Um ihrem Begehren Nachdruck zu verleihen, schickt Mrs. Newsome den Freund des Hauses, Lambert Strether, den sie nach Ablauf des Trauerjahres zu ehelichen gedenkt, nach Europa, ihren Sohn heim zu holen. In Paris, wohin ihn sein Freund Waymarsh begleitet, trifft Strether auf einen Chad, der in der Pariser Gesellschaft bereits weitgehend Fuß gefasst und sich von den moralischen Vorstellungen seines Elternhauses entfernt hat. Über die seit Jahren in Paris lebende Maria Gostrey, die Strether auf der Überfahrt kennengelernt hat, und durch das persönliche Umfeld Chatwicks macht er in der französischen Hauptstadt weitere Bekanntschaften, darunter auch die der Comtesse Marie de Vionnet und ihrer bildhübschen Tochter Jeanne. Schon nach wenigen Wochen fühlt sich Strether inspiriert vom dem Flair, das Paris und seine Bewohner ausströmen. Auch erliegt er, ohne es sich einzugestehen, mehr und mehr dem Charme und der Kapriziösität der Comtesse de Vionnet. Als Mrs. Newsome, mit der Strether in regem Briefverkehr steht, merkt, dass sich ihr ´Gesandter´ schwer tut, seinen Auftrag zu erfüllen, schickt sie ihre Tochter Sarah und deren Mann Jim Pocock nach Paris, um die Angelegenheit in Schwung zu bringen. Doch auch diese beiden „Gesandten“ reisen unverrichteter Dinge wieder ab und gehen auf Europatournee. Bei einem Ausflug aufs Land trifft Strether durch Zufall auf die Comtesse und Chad, und wird Zeuge ihres guten Einvernehmens. Er ist irritiert, spricht sich getrennt mit beiden aus und kommt zu der Einsicht, dass Chad diese Beziehung keinesfalls aufs Spiel setzen dürfe. Er rät ihm, unter allen Umständen zum Verbleib in Paris, wohl wissend um das Misslingen seines Auftrages und damit seiner gescheiterten Zukunft mit Chads Mutter. Um sich selbst treu zu bleiben, nimmt er Abschied von diesem Umfeld, dem er inzwischen auch selbst erlegen ist, und auch Maria Gostreys Anerbieten, für ihn bis ans Ende seiner Tage sorgen zu wollen, weist er zurück.





Keine leichte Kost
Der zum 100. Todestag von Henry James neu übersetzte Roman ist selbst für den geübten Leser keine leichte Kost.
Einmal abgesehen von der Thematik dieses von vielen Kritikern, trotz des Alters des Protagonisten (ein 55-jähriger Witwer), als Bildungsromans eingestuften Werkes - als Bildungsroman insofern, als er spät zu der Erkenntnis kommt, in seinem bisherigen Leben das Wesentliche versäumt zu haben - wird man, weiss man um die Vita des Autors, viele autobiographische Züge erkennen. Schon in jungen Jahren überwiegend in der Welt unterwegs, lernt James Europa kennen und lieben, und leidet, auf Paris bezogen, an der Diskrepanz zur Neuen Welt: hier das moderne und weltaufgeschlossene Paris der Belle Époque, dort das puritanische Amerika .
Auf die gesamte Handlungsdistanz, wenn überhaupt von einer Handlung gesprochen werden kann, da der eigentliche Inhalt aus geführten Dialogen und mit sich selbst abzumachenden Einsichten besteht, muss man sich mit einer wahren Formulierungsakrobatik auseinandersetzen. Der ständige Wechsel von direkter und indirekter Rede, die Flut der in Anführungszeichen gesetzten Wortkaskaden, die oftmals derart ineinander verschachtelten Sätze, dass man sie teilweise nur schwerlich bis zu ihrem Anfang zurückzuverfolgen vermag, all das erfordert höchste Konzentration, die vom Leser einiges Durchhaltevermögen verlangt. Aber es lohnt sich.
Wer Lust hat und die Zeit aufbringen kann, auf jede Satznuance achtend die 575 Seiten (mit einem Nachwort des Autors und eines des Herausgebers, mit einer Zeittafel zum Leben von Henry James und mit Anmerkungen sind es 693 Seiten) durchzuhalten, der wird sicher einen nicht auf den ersten Seiten zu erkennenden Lesegenuss erleben.
Unter keinen Umständen sollte man auf das Nachwort des Herausgebers verzichten, denn hier wird sich der Leser über die Hintergründe dieses seit seinem Erscheinen im Jahre 1903 heiß diskutierten Werkes informieren können, ohne die ihm wesentliche Erkenntnisse verschlossen bleiben würden.




1 Treffer

»"Leben Sie so intensiv Sie können; alles andere ist ein Fehler. Was Sie tun, spielt eigentlich keine große Rolle, solange Sie Ihr eigenes Leben leben. Wenn Sie das nicht gelebt haben, was haben Sie dann überhaupt gehabt?«
(Lambert Strether / zwölftes Buch)





Michael Walter
Helmut M. Braem, Elisabeth Kaiser (1956)
Ana Maria Brock (1973)
Michael Walter (2016)