Unsinniger Pferdekuss statt sinnlicher Honiggenuss
Erster Versuch einer Kritik und zugleich Versuch einer Erklärung der Werkgenese
Man nehme die ein oder andere Erfahrung, eine wichtige Beziehung, ein wenig von hier und da aus der klassisch arabischen Literatur, einige Hohlmeter Geplauder und verquirle das Ganze zu einem unverdaulichen Brei und backe das mit einem lila Umschlag zu einem Buch.
Zweiter Versuch einer Kritik und zugleich Versuch einer Erklärung der Werkgenese
Man schreibe ein paar kernige Sätze auf ("Arabisch ist die Sprache des Sex.", "Sex ist eine göttliche Gnade" usw.). Dann kritzele man darum immer gerade das, was einem einfällt. Zum Schluss stempele man das Ganze mit den Worten "Honigkuss" und "Roman" ab und hoffe stark begünstigt durch Geburt in Damaskus und arabischer Originalsprache, dass das Ganze skandaliert und entsprechend erfolgreich wird.
Dritter und letzter entkräfteter Versuch
Es gibt selten Bücher mit 125 Seiten, bei denen ich auf Seite 70 aufgebe. Die zusammenhanglose Aneinanderreihung von Gedankenfetzen und Zitaten in Honigkuss hat dies geschafft. Ich konnte nicht mehr.
Ihre Liebe zum Sex, ihre Neigung zur Promiskuität, die wichtige Beziehung zum sogenannten Denker, all das und wenig mehr hat man nach den ersten Seiten begriffen. Spätestens da hätte der "Roman" beginnen sollen, etwas zu erzählen. Leider wird nur geschwafelt.
Mein gutmeinendes Ansinnen, bei den restlichen 55 Seiten einige Tage später neu anzusetzen, änderte die Meinung nicht und ich kam über ein zu Ende Blättern nicht hinaus.
Mag sein, dass die Autorin lobenswerterweise einen Diskurs über die Stellung der Frau im arabischen Raum in Gang bringen wollte. Gesellschaftlich ließe sich das Werk so eventuell rechtfertigen, literarisch nicht.