Keine Vergebung
Da haben sich drei gesucht und gefunden. THE PROPOSITION (2005) stellt die erste Zusammenarbeit von Regisseur John Hillcoat, Drehbuch-Autor und Soundtrack-Komponist Nick Cave, sowie Ausnahme-Schauspieler Guy Pearce dar, ein Trio welches in der Folge mit (als der nach diesem Film nächste logische Schritt) der Cormac-McCarthy-Verfilmung THE ROAD (2009) und LAWLESS (2012) noch zwei weitere sehenswerte Filme ablieferte und womöglich auch in Zukunft mit interessanten Stoffen zu locken weiß. Man muss allerdings auch ehrlicherweise sagen, das jenes Erstlingswerk bis heute der beste der drei Filme ist. Der Gang nach Hollywood bedeutet für die meisten Filmemacher Kompromisse zu machen, was in aller Regel zu Lasten der Originalität/Qualität des fertigen Filmes geht. So auch da geschehen. THE PROPOSITION ist ein allerdings noch gänzlich unabhängig entstandenes Werk und das ist in nahezu jeder Szene spürbar. Zu unwägbar ist die Stimmung, zu aufgeladen der Glutofen Australien, zu erbarmungslos die gesamte Erzählweise der Moritat, die im Ton nicht von ungefähr an die düsteren Balladen des Musikers Nick Cave erinnert, der scheinbar im Filmgeschäft eine neue Heimat gefunden hat. Beginnend mit einer Reminiszenz an die Eröffnungszene von Sam Peckinpah's meisterhaftem PAT GARRETT AND BILLY THE KID (1973), wirft uns John Hillcoat direkt in seine blutige Geschichte um Schuld und Erlösung, stellt uns seine zwei Hauptfiguren Charlie Burns und Morris Stanley vor, deren Weg in den Abgrund wir folgen werden. Wie in vielen Filmen mit zwei Protagonisten auf gegnerischen Seiten, bilden auch diese zwei Figuren Charaktere, die sich gar nicht so sehr voneinander unterscheiden und unter anderen Umständen vielleicht sogar Freunde sein könnten. Beiden wohnt eine ähnliche Vorstellung von Moral und Ethik inne, nur die Herkunft und der Werdegang entschieden die Lebensausrichtung, die dafür verantwortlich ist, das sie nicht anders können, das sie zu dem bestimmt sind was sie tun. Für beide eine ausweglose Situation, der sie nicht entfliehen können. Sie scheinen auch die beiden einzigen Figuren die sich ihrer selbst und damit einhergehend dem was sie tun jederzeit bewusst sind. Guy Pearce (MEMENTO, Christopher Nolan 2000) beweißt dabei einmal mehr sein Klasse, die man vor allem in seinen australischen Filme immer wieder sieht, während er in Hollywood nur einer von vielen bleibt. Ray Winstone knüpft an seine starke Leistung von 2000 in SEXY BEAST (Jonathan Glazer) an, die ihm den verdienten Durchbruch bescherte. Highlight des Filmes sind jedoch die Auftritte von John Hurt, in einer kleinen aber feinen Nebenrolle der bizarren Art und von Danny Huston, Sohn des legendären John Huston, als allgegenwärtiger Arthur Burns, einer Bestie von Mensch, vor dem man schon Angst hat bevor man ihn das erste Mal sieht, nach ungefähr der Hälfte des Filmes. Mit dieser Rolle katapultierte er sich endgültig in die erste Liga von Kino-Bösewichten, die er anschließend in Hollywood immer wieder portraitierte. In weiteren Nebenrollen sind unter anderem David Wenham (DER HERR DER RINGE: DIE ZWEI TÜRME, Peter Jackson 2002) und Emily Watson (BREAKING THE WAVES, Lars von Trier 1996) zu sehen. Wichtig zu erwähnen sind außerdem die eindrucksvollen Bilder von Benoît Delhomme, der hier eine seiner stärksten Arbeiten hinter der Kamera abliefert. Regisseur Hillcoat vermeidet es in die üblichen Klischee-Fallen zu tappen, arbeitet mit harten Schnitten, Auslassungen und heftigen Gewalt-Einschüben der verstörenden Art, die dem Film eine Nachhaltigkeit geben die lange wirkt. Wer also einen Aussie-Western klassischer Machart a'la QUIGLEY DOWN UNDER (Simon Wincer 1990) mit Tom Selleck erwartet, wird möglicherweise sehr enttäuscht.