Das fünfte Ass
Sergio Corbucci, Western Nummer Zwei. Ich nenne es mal das Frühwerk. Hier übte der spätere Berufs-Zyniker noch. MINNESOTA CLAY war für mich aufgrund seiner Seltenheit ein interessantes Ding. Schätze ich Corbucci zwar ausschließlich für seine Western, schaffte er doch sowohl Meisterwerke wie DJANGO, MERCENARIO und LEICHE PFLASTERN SEINEN WEG, als auch klasse Exploitation wie NAVAJO JOE, ZWEI COMPANEROS und FAHRT ZUR HÖLLE, IHR HALUNKEN. Sein Regie-Stil war so wild, dreckig und cool, wie die (Anti)-Helden seiner Filme. Denn eines kann man den Western des "kleinen" Sergio nicht vorwerfen, mangelnden Unterhaltungswert. Das gilt auch für MINNESOTA CLAY. So startet der Film als eine Ansammlung von Klischees, ABER...
...dann passiert es, heimlich still und leise. Cameron Mitchell war ein echter Charakterdarsteller, Nebenrollen erprobt in unzähligen Hollywood-Western, gelingt ihm doch mit fortschreitender Handlung das durchaus sensible Portrait eines alternden Gunman, der sein Augenlicht verliert, sich melancholisch an die Vergangenheit klammert und schließlich die Konsequenzen zieht und tut was ein Mann tun muss. Irgendwie mag man den Typen am Ende einfach. Zu erwähnen wären noch neben zumeist schwächeren Performances der meisten Nebendarsteller, die Leistungen von Georges Rivière als Gegenspieler Fox, den man zuerst nicht so ganz ernst nehmen kann, der aber am Ende beträchtliche Schurken-Qualitäten zeigt, sowie der mit reichlich Charisma gesegnete mexikanische Dauer-Bandit Fernando Sancho.
Der Film von 1964 sieht in weiten Teilen wie ein Karl-May-Film aus, was aber an den billigen Kostümen liegt, bietet einen durchschnittlich guten Soundtrack und punktet am Ende mit einem formidablen Showdown, der vieles wieder wett macht. In den Action-Szenen zeigt sich mehr als einmal das große Talent Corbucci's und in einigen Sequenzen gemahnt der Film an die späteren Meisterwerke des Regisseurs. Alles in allem also kein Must-See aber durchaus sehenswert.