Ritt in die Hölle
Selten gab es im amerikanischen Western zu dieser Zeit wohl einen Film, der seine Geschichte derart spannend und kompromisslos erzählt. Die Figurenzeichnung in Clair Huffakers Buch mit solch vielschichtigen und komplexen Charakteren, die keine Identifikation zulassen, wurde von Douglas perfekt in den Film übertragen. Gordon Douglas, der neben einigen tollen Genre- Beiträgen wie "Man nannte ihn Kelly" auch Gurken wie "San Fernando" ablieferte, übertraf sich hier selbst. Denn hier stimmt einfach alles. Es ist zum einen ein klassischer South-of-the-Border-Western mit allem was dazu gehört (US-Kavallerie, Südstaatler, wilde Apachen, Revolverhelden die nichts mehr zu verlieren haben und mexikanische Banditen, von weitem winkt "Sierra Charriba") und zum anderen aus heutiger Sicht eine Art Meta-Western. Alle wichtigen Figuren-Blaupausen sind vorhanden, werden ad absurdum geführt und doch bestätigt. Es wirkt manchmal wie eine Abrechnung mit den gängigen Klischees, die benutzt werden und dann zerstört, um anschließend etwas neues daraus entstehen zu lassen. Das Spiel mit den Erwartungen geht hier voll auf.
Richard Boone in seiner wohl besten Rolle ist der rassistische Ex-Südstaaten-Major und Westerner dessen Familie von Indianern abgeschlachtet wurde ,der nun sein Heil im Suff und der Ermordung so vieler Apachen wie möglich sieht und seine Todessehnsucht auslebt ohne Rücksicht auf Verluste. Stuart Whitman als Unions-Captain, der nach seinem Versagen die Scharte auszuwetzen sucht, indem er die Männer auf eine Mission führt, die zu einem blutigen Ritt in die Hölle wird. Anthony Franciosa, der den schlitzohrigen mexikanischen Gauner mit einer Hingabe spielt, das es eine Freude ist zuzusehen und vermuten lässt, das sich Tomas Milian den Film genau angeschaut hat. Und dann ist da natürlich Jim Brown in seinem ersten Film als schwarzer Sergeant, der ohne viele Worte zu verlieren allein durch seine Präsenz und seine Physis diesem sanften Riesen ein Profil zu verleihen weiss, das Robert Aldrich gar nicht anders konnte als ihn für sein dreckiges Dutzend zu engagieren, wo er eine ähnliche Rolle spielen durfte. In den Nebenrollen ist vor allem Edmond O`Brian hervorzuheben, der in seinen wenigen Szenen als Boones ehemaliger Colonel zwischen Würde und Wahnsinn agiert. Überhaupt sind die psychologische Konflikte bei allen handelnden Personen tiefgründig und nachvollziehbar und wirken zu keiner Zeit konstruiert. Je näher man sie kennenlernt desto mehr Mitgefühl entwickelt man für jeden einzelnen von ihnen. Die Suche wird so für jeden der Protagonisten zu einer existentiellen Erfahrung. So lebendige Charaktere sieht man selten in einem Western der sechziger Jahre, wo der Drops ja bekanntlich schon gelutscht war.
Auch die dargestellten Konfrontationen bieten interessante Abweichungen von gängigen Mustern, so dass der Film zu keiner Zeit vorhersehbar oder gar langweilig wird. Der infernalische Showdown tut sein übriges, diese abgründige Reise ins Herz der Finsternis unvergesslich zu machen. Der Film ist auf positive Weise eindeutig anders als die anderen, gerade für Leute die wirklich schon sehr viele Western gesehen haben und schafft auch aufgrund Jerry Goldsmith's eingängiger Musik eine elegisch-düstere Atmosphäre, sie erinnert ein wenig an den tollen, ein Jahr später entstandenen "Duell in Diablo"- Soundtrack von Neal Hefti.