Film


Shoot the Sun Down

Shoot the Sun Down

(Shoot the Sun Down)

David Leeds

 



Übersicht

(30 Punkte)

Filmtyp : Spielfilm
Originalsprache : Englisch
Stichwort : New Hollywood
Produktionsland : USA
Länge (Minuten) : 1 Stunde 40 Minuten
 


Kurzbeschreibung


»Shoot the Sun Down« ist ein Western von David Leeds. 1978 ist der Film zuerst erschienen. In den Hauptrollen spielen u.a. Walken, Christopher, Kidder, Margot und Lewis, Geoffrey.


Regisseur : David Leeds
Produzent : Peter Samuelson, David Leeds, Richard Rothstein
Drehbuchautor : David Leeds, Richard Rothstein
Kameramann : Michael Chapman
Schnitter : Alan Holzman
Musiker : Ed Bogas
Darsteller : Christopher Walken als Mr. Rainbow
Margot Kidder als The Woman
Geoffrey Lewis als Scalphunter
Bo Brundin als Captain
Ivan Naranjo als Delaware
Bert Santos als Angel
Sacheen Littlefeather als Navajo Woman
Jorge Cervera Jr. als Lieutenant
A Martinez als Sunbearer



Santa Fe 1836
Ein Mann in Kapitäns-Jacke mit einer Seemanns-Mütze auf dem Haupt reitet, begleitet von einer Frau im Rüschen-Kleid durch die Wüste. Eine Gruppe von Skalpjägern tötet einige Indianer hinterrücks, um an ihre wertvolle Kopfbehaarung zu kommen. Ein einsamer Reiter, der schon lange unterwegs zu sein scheint, nähert sich einer Siedlung, ebenso wie ein einzelner Indianer. Sie alle werden sich in Santa Fe treffen und das Schicksal wird sie miteinander verbünden. Der Schiffskapitän (Bo Brundin) ist ein Engländer, der mit seiner gekauften Frau (Margot Kidder) auf Schatzsuche im mexikanischen Grenzgebiet ist. Er sucht ein legendäres Wagenrand aus purem Gold, welches noch aus der Zeit der Konquistadoren in den Bergen Mexikos vergraben sein soll. Die Frau blieb bei ihm, weil er ihr mit dem Reichtum ein gutes Leben in der neuen Welt versprach. Die Skalpjäger bekommen Wind von der Schatzsuche und wollen mit daran verdienen. Ihr Anführer (Geoffrey Lewis), ein Schlitzohr, geht mit dem Kapitän einen Deal ein. Der Indianer Sunbearer (A Martinez) soll sie führen. Der Reiter, Mr. Rainbow (Christopher Walken), ist ein ehemaliger Soldat und Indianer-Kämpfer, kommt aus San Francisco und ist eigentlich nur auf der Durchreise nach San Antonio, wo er die Texaner im Alamo bei ihrem Kampf für die Unabhängigkeit gegen General Santa Anna unterstützen will. Die Frau bittet ihn um Hilfe, sie will der Knechtschaft entfliehen. Er begleitet die Gruppe. Die ungleiche Gemeinschaft bricht in ein Abenteuer auf, von dem niemand unversehrt zurückkehren wird.





Into the Darkness
Bereits im Jahr 1976 inszenierte Regisseur und Drehbuchautor David Leeds diesen, seinen einzigen Film, in der faszinierenden Landschaft New Mexicos. Leider war ihm mit dem Werk kein Glück beschieden, denn zu dieser Zeit krähte kein Hahn mehr nach neuen Western und da sein Film ohne Stars auskommen musste, wollte niemand das Wagnis einer Auswertung eingehen. Bis 1978, als sowohl Margot Kidder mit SUPERMAN (Richard Donner) über Nacht weltberühmt wurde, als auch der Hauptdarsteller von SHOOT THE SUN DOWN, ein gewisser Christopher Walken in einem Film namens THE DEER HUNTER (Michael Cimino) derart überzeugte, das er sogar den Oscar gewann. Sehen wollte den existenzialistischen Western trotzdem keiner. Martin Scorsese, dessen TAXI-DRIVER-Kameramann Michael Chapman unter Pseudonym auch hier für die teils surreal anmutende Photographie zuständig war, vergaß den Film dennoch nicht und sorgte für eine Restaurierung des Werkes, wie er es schon bei der New-Hollywood-Western-Perle THE HIRED HAND – DER WEITE RITT (Peter Fonda 1971) getan hatte, was in diesem Frühjahr zu einer Blu-Ray-Veröffentlichung in den USA führte, die dem Film nun die Aufmerksamkeit zuteil werden lässt, die er bereits damals verdient hätte.
SHOOT THE SUN DOWN, der ursprünglich SANTA FE 1836 heißen sollte, ist ein Film, der aus der Feder von Cormac McCarthy stammen könnte, ein Film der den historischen Westen als ursprünglich und archaisch, lebensbedrohlich und gefährlich zeigt, keine Zugeständnisse an den Massengeschmack macht, sich vollkommen Ford'schem Romantizismus verweigert und gerade dadurch sperrig und unvollkommen, aber auch faszinierend und bedingungslos ehrlich erscheint. Man kann sich tatsächlich genau vorstellen wie es damals gewesen sein muss, wird sich stets der Unwägbarkeit der Dinge bewusst und bekommt verdeutlicht, das das Leben jederzeit vorbei sein kann, der Tod willkürlich zuschlägt, wenn man es nicht erwartet. Eine düstere und grausame Zeit wird heraufbeschworen bei der die eigentliche Handlung nur Vorwand für die Darstellung von Zeit und Raum ist. Das rückt den Film in die Nähe von Terrence Mallick's spirituell angehauchten Überlebensdramen, aber auch der Italo-Western hinterlässt in David Leeds Werk deutliche Spuren, ebenso kann man EL TOPO (1969) von Alejandro Jodorowsky als Inspiration nennen.
Als Mitverfasser des Drehbuchs wird neben David Leeds Richard Rothstein genannt, der später als Autor von UNIVERSAL SOLDIER (Roland Emmerich, 1992) bekannt wurde. Am tollen Soundtrack soll übrigens Kinky Friedman mit gearbeitet haben. Die Darsteller sind perfekt gewählt, vor allem Clint-Eastwood-Regular Geoffrey Lewis spielt hier alle an die Wand. Sein mit allen Wassern gewaschener ambivalenter Charakter des Skalpjägers allein ist die Sichtung des Filmes wert. Eine ähnliche Rolle spielte er später noch einmal im gelungenen Italo-Spätwestern SILBERSATTEL (SELLA D'ARGENTO, Lucio Fulci 1978) an der Seite von Giuliano Gemma. Christopher Walken drehte kurze Zeit später noch einmal einen ungleich bedeutenderen Western und danach nie wieder. Dieser hieß HEAVENS GATE (Michael Cimino 1980) und beendete das Genre beinahe endgültig. Man könnte also sagen Christopher Walken hat dem Genre, trotz guter Filme, kein Glück gebracht. Schade eigentlich.





     
Faszinierende Zeitreise in den alten Westen, archaisch und kraftvoll, zu Unrecht vergessen.