Übersicht


Originalsprache : Deutsch
Umfang : ca. 20 Seiten
 


Kurzbeschreibung


»Die Wanderung« ist eine Kurzgeschichte von Benedict Wells. 2018 wurde das literarische Werk zuerst veröffentlicht.


Der erfolgreiche Geschäftsmann Henry M. hat den Deal seines Lebens gemacht. Der von ihm ausgehandelte Fusionsvertrag zweier großer Firmen steht kurz vor dem Abschluss, es fehlen nur noch die Unterschriften.
Um dem täglichen Stress zu entfliehen, ist er mit seiner Familie in sein Ferienhaus in die Berge gefahren, wo Frau und Töchterchen Mia am Pool spielen, während er im Garten sitzend seine Telefonate erledigt. Der kränkliche achtjähriger Sohn David liegt mit Migräne in seinem abgedunkelten Zimmer; er hat Geburtstag und abends soll gegrillt werden.
Seine ihm Zeit seines Lebens permanent zu schaffen machende Unruhe treibt Henry dazu, an diesem Nachmittag noch auf den nahen Berg hinaufzusteigen, zwei bis drei Stunden veranschlagt er dafür und er will zeitig zurück sein.
Nachdem er das Bergrestaurant erreicht hat, treibt es ihn, obwohl die Zeit reichlich knapp ist, noch weiter hinauf auf den Gipfel.
Auf dem Rückweg passiert er das schon weitgehend verlassene Bergrestaurant, kommt dann vom Weg ab und verirrt sich. Er stürzt, verletzt sich leicht am Knie und gelangt schließlich, durch den mittlerweile einsetzenden Regen erschöpft und durchnässt, zurück ins Dorf.
Seine Frau eilt ihm ans Tor entgegen und fragt, wo er denn nur so lange geblieben sei. Ihn drängt es ins Haus, um den Grill vorzubereiten und das Geburtstagsgeschenk für David zu holen. Dabei wird er abrupt in die Gegenwart versetzt und erfährt, dass während seiner vermeintlich nur mehrstündigen Abwesenheit Jahre vergangen sind. Sein Sohn ist inzwischen verstorben, seine Tochter in Spanien verheiratet.





zu spät !
Der stressgeplagte Henry, der nur seinen beruflichen Erfolg im Auge hat, scheitert gerade in dem Augenblick, als er seinen bisher größten Deal unter Dach und Fach bringt. Als er allein auf Bergtour ist, macht er sich erstmals bewusst, dass er seine Familie stark vernachlässigt hat und denkt zurück an die Vorhaltungen seiner Frau, sich mehr um seinen Sohn zu kümmern, mehr mit ihm zu unternehmen. Er denkt an ... ´Die Urlaube, die er verpasst hatte, weil er beruflich wegmusste oder geglaubt hatte, wegzumüssen`. Dass sein ´rauschafter beruflicher Erfolg ihm zur Leidenschaft geraten war und er sich eingestehen muss, ein schlechter Vater gewesen zu sein, vielleicht auch ein schlechter Mann`.
Aus den wenigen Stunden seiner Selbsterkenntnis waren nun Jahre des Zuspätseins geworden, was auch der letzte Satz der Geschichte belegt, in dem es heißt: ´Es waren von hier nur acht Schritte ins Haus, höchstens neun, aber erspürte, dass er es nicht mehr schaffen würde`.
Eine perfekte Geschichte.





Diese Kurzgeschichte ist zusammen mit neun anderen Geschichten in dem 2018 bei DIOGENES erschienenen Sammelband ´Die Wahrheit über das Lügen` veröffentlicht worden.