Literarisches Werk


Die Entstehung der Angst

- Von Jules Moreau -

Benedict Wells

 



Übersicht


Originalsprache : Deutsch
Umfang : ca. 9 Seiten
 


Kurzbeschreibung


»Die Entstehung der Angst« ist eine Kurzgeschichte von Benedict Wells. 2012 wurde das literarische Werk zuerst veröffentlicht.


Ein alternativer Text
Wells wagt hier ein Experiment, in das es den Leser miteinschließt. Allerdings eigentlich nur den Leser seines Roman ´Vom Ende der Einsamkeit`, denn er präsentiert hier einen Text, den er ursprünglich in diesen Roman einfließen lassen wollte, es aber aus Gründen, die er im Vorspann dieser Geschichte darlegt, unterlässt.
Es geht um den nicht mehr lebenden Vater des Protagonisten Jules, Stéphan Moreau, dessen Lebensgeheimnis Jules auf die Spur zu kommen versucht. Trotz intensiver Suche in Schubladen und Speicher findet er nichts, was ihm irgendwelche Anhaltspunkte geben könnte.
In einem der alternativen Texte, die Wells in den sieben Jahren, die er an diesem Roman gearbeitet hatte, niederschrieb, und den er hier dem Leser sozusagen als eigene kleine Geschichte nachträglich zur Kenntnis bringt, legt er die Kindheit seines Vater offen.
Dieser erlebt in der Familie zusammen mit Mutter und Bruder Eric eine wahrhafte Tyrannei des Vaters, der Alkoholiker war und, wenn er volltrunken nach Hause kam, brutal auf seine Söhne eindrosch. Bis Eric eines Tages – er war inzwischen 16 Jahre alt und dem Vater körperlich überlegen – sich schützend vor den jüngeren Bruder stellte und dem Vater Schläge androhte, sollte dieser sich noch ein einziges Mal an Stéphane vergreifen.
Im Text heißt es an dieser Stelle:
„Monsieur Moreau saß stumm auf seinem Platz. Er versuchte, seinem Sohn fest in die Augen zu schauen („Du wagst es, so mit mir zu reden?“), doch es gelang ihm nicht. Wie aus einer undichten Naht leckte plötzlich seine eigene Angst hervor. Er fühlte sich unendlich müde und durstig ..... ihm kam in den Sinn, dass ihm Eric sowohl äußerlich als auch von Charakter her nicht unähnlich war. Stark und hart war er geworden, sein Sohn. Dieser Gedanke reichte, um ihn zu besänftigen. „Hast du mich verstanden?“, fragte Eric. Sein Vater blickte auf, fast verwundert, dass er angesprochen wurde. „Hm?“, fragte er leise. Dann nickte er“.





Diese Kurzgeschichte ist zusammen mit neun anderen Geschichten in dem 2018 bei DIOGENES erschienenen Sammelband ´Die Wahrheit über das Lügen` veröffentlicht worden.


Linktipp: »2012« als Erscheinungsjahr haben auch