Film


Killing Them Softly

Killing Them Softly

(Killing Them Softly)

Andrew Dominik

 



Übersicht


Filmtyp : Spielfilm
Originalsprache : Englisch
Produktionsland : USA
Länge (Minuten) : 1 Stunde 37 Minuten
 
Thema : Mafia
 


Kurzbeschreibung


»Killing Them Softly« ist ein Gangsterfilm von Andrew Dominik. 2012 ist der Film zuerst erschienen. In den Hauptrollen spielen u.a. Brad Pitt, Scoot McNairy und Ben Mendelsohn.


Regie : Andrew Dominik
Produktion : Brad Pitt, Dede Gardner, Steve Schwartz, Paula Mae Schwartz, Anthony Katagas, Megan Ellison
Drehbuch : Andrew Dominik
Kamera : Greig Fraser
Schnitt : Brian A. Kates
Darsteller : Brad Pitt als Jackie Cogan
Scoot McNairy als Frankie
Ben Mendelsohn als Russell
James Gandolfini als Mickey
Vincent Curatola als Johnny Amato
Richard Jenkins als Fahrer
Ray Liotta als Markie Trattman
Trevor Long als Steve Caprio
Max Casella als Barry Caprio
Sam Shepard als Dillon
Slaine als Kenny



The Ugly Truth
Der Job:
Wäscherei-Besitzer Johnny Amato (Vincent Curatola) beauftragt den gerade aus dem Knast entlassenen Kleinganoven Frankie (Scoot McNairy) gemeinsam mit Kumpel Russell (herrlich abgefuckt: Ben Mendelsohn), die Poker-Runde von Gangster Trattman (Ray Liotta) zu überfallen um die Beute anschließend zu teilen. Die Idee dahinter ist die Schuld Trattman selbst in die Schuhe zu schieben da in Mafia-Kreisen allgemein bekannt ist, das dieser so eine Nummer bereits selbst einmal abgezogen hat.
Das Problem:
Kaum ist die Sache gelaufen, beauftragt die lokale Organisation Killer Cogan (Brad Pitt) über einen Mittelsmann (Richard Jenkins), sich um die Angelegenheit zu kümmern. Nachdem Kollege Dillon (Sam Shepard) Trattman bereits einmal auf den Zahn gefühlt hat ist Cogan davon überzeugt das dieser, egal ob an der sache beteiligt oder nicht, in jedem Fall als Bauernopfer herhalten muss.
Der Komplize:
Um den Auftrag nicht allein abwickeln zu müssen, lässt Cogan Killer Mickey (James Gandolfini) aus New York einfliegen. Doch Mickey ist nicht mehr der Alte. Als Killer in der Krise lässt er seinen Depressionen freien Lauf und gibt sich lieber dem Suff als der Arbeit hin. Cogan muss sich letztendlich doch um alles selbst kümmern. Denn selbst für Verbrecher ist Amerika nicht mehr das, was es mal war. Die Krise macht eben auch vor dem Verbrechen nicht halt.





The Business
Nachdem Andrew Dominik im Jahr 2000 mit seinem Aufsehen erregendem Regie-Debüt CHOPPER nicht nur Eric Bana sondern auch sich selbst über Nacht berühmt gemacht hatte, nahm ihn bald Brad Pitt unter seine Fittiche, indem er ihn zum Regisseur seines Western-Abgesangs THE ASSASSINATION OF JESSE JAMES BY THE COWARD ROBERT FORD (2007) machte. Das lange gehegte Wunschprojekt Pitts wurde nach ebenfalls langer Produktionsarbeit zu einer zwiespältigen Angelegenheit. Sowohl Lob als auch Tadel gab es von Seiten der Kritiker und des Publikums, zum Glück aber auch einige Festivalpreise, die das Werk als zumindest künstlerischen Erfolg gelten lassen. Grund genug für Pitt und Dominik erneut zusammen zu arbeiten. Diesmal nahmen sie sich den Siebziger-Jahre-Krimi COGAN`S TRADE von DIE FREUNDE VON EDDIE COYLE-Autor George V. Higgins, übrigens literarisches Vorbild des kürzlich verstorbenen Krimi-Genies Elmore Leonard, vor und verwandeln ihn in eine zeitgemäße Polit-Parabel im Gangster-Milieu von New Orleans, die trotzdem aussieht wie ein Film aus den (zumindest im Kino) düster-paranoiden Siebziger Jahren.
Dominik, der wie in allen seinen Filmen auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, zieht dabei geschickt Parallelen von der wirtschaftlich wie politisch angespannten Nixon-Ära zum heutigen Post-Bush-Amerika unter Obama. Ständig hören wir während des Filmes im Hintergrund Polit-Talk oder Nachrichten-Kommentare zur Wirtschafts-Krise, zum aktuellen Kriegsgeschehen und zu gesellschaftspolitischen wie sozialen Zuständen, die das dargestellte kriminelle Geschehen der Filmhandlung kommentieren, unterlaufen und konterkarieren und somit höchste Aufmerksamkeit zum obersten Gebot des Zuschauers machen. Wer sich darauf einlassen kann, wird mit einem Dialoglastigen Gangsterfilm der hintergründigen Art belohnt, der noch lange nachwirkt. Ausstattung, Soundtrack und vor allem die brilliante Kamera-Arbeit sind besonders hervorzuheben, bilden aber allesamt nur die Umrandung dessen, was den Film wirklich zu etwas besonderem macht. Seine Besetzung.
Brad Pitt, in seiner Doppelfunktion als Hauptdarsteller und Produzent, kann es verantworten in der Figurenorientierten Geschichte erst nach einer guten halben Stunde die Bühne zu betreten, um das bereitete Feld mit purer Präsenz und wohl austarierter Darstellung abzuernten, nicht ohne seinen Leinwandpartnern ein ums andere Mal dieselbe zu überlassen. Während die beiden eher unbekannten Darsteller Scoot McNairy und Ben Mendelsohn ihre große Chance internationale Aufmerksamkeit zu bekommen hervorragend zu nutzen wissen, sind es natürlich die schauspielerischen Schwergewichte wie Ray Liotta uns James Gandolfini, in einem seiner letzten Auftritte vor seinem plötzlichen Tod, welche den geneigten Zuschauer mit ihrer unnachahmlichen Art in ihren Bann ziehen. Gerade bei Gandolfini stimmt es im nachhinein traurig, das uns dieser Riese nie mehr mit seinen Kabinettstückchen beglücken soll. In KILLING THEM SOFTLY gibt er jedenfalls eine würdige Abschiedsvorstellung, die allein das Ansehen des Filmes rechtfertigt. Sam Shepard, der in THE ASSASSINATION... bereits als Frank James zu sehen war, hat eher einen Gastauftritt, während Richard Jankins einmal mehr aus kleinen Szenen maximales herauszuholen im Stande ist.
Auch sonst dominieren hier Dialoge und Atmosphäre, selten sah man Amerika so heruntergekommen. Action gibt es nur wenig, sie steht ausschließlich im Dienst der Sache und kommt dreckigbrutal und realistisch daher, aber dabei auch kunstvoll und stilisiert. Wer also eine Hochspannungsthriller erwartet, dem sei hiermit abgeraten. Wer allerdings kraftvolles, unabhängiges, herausforderndes Kino mit Sinn und Anspruch sucht, dem sei KILLING THEM SOFTLY wärmstens empfohlen.





     
Meisterhafter Dialog-Krimi mit schauspielerischen Glanzleistungen vor politischem Hintergrund.