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Literarisches Werk


Die Gabe

(Дар)

Vladimir Nabokov

 



Übersicht


Originalsprache : Russisch
besprochen : Das Literarische Quartett
Umfang : ca. 787 Seiten
 
Verlag : Rowohlt Verlag
 


Kurzbeschreibung


»Die Gabe« ist ein Roman von Vladimir Nabokov. 1952 wurde das literarische Werk zuerst veröffentlicht.


Schaut man sich die Kritiken und Kommentare zu diesem letzten in russischer Sprache geschriebenen Buch Nabokovs an, so erscheint auf den ersten Blick die Überlegung, besser auf diese Lektüre verzichten zu sollen, nicht unbedingt abwegig. Mit seinen 597 Roman-Seiten (Gesamtwerk-Ausgabe im Rowohlt Taschenbuch Verlag von 1993) und dem Vor- und Nachwort des Herausgebers sowie den 172 Seiten umfassenden, sehr detaillierten Anmerkungen, kommt das Buch auf stolze 795 Seiten. Wer aber Nabokov aus seinen anderen Werken, ich will hier nur ´Lushins Verteidigung`, ´Das wahre Leben des Sebastian Knight`, ´Pnin` und ´Lolita` nennen (diese vier hatte ich bisher gelesen), kennt, und von seiner den Leser verzaubernden, wie auf Wolken schwebenden Art des Erzählens und Formulierens (so Urs Widmer in der ZEIT vom 3. Dezember 1993) fasziniert ist, der wird an ´Die Gabe` nicht vorbeikommen, und die Lektüre m. E. auch nicht bereuen.
Einige Kritiker bezeichnen ´Die Gabe` sogar als Nabokovs bestes Werk und versprechen einen literarischen Genuss. Dem kann ich nur beipflichten. Wer enttäuscht ist, weil in dem Roman ´fast nichts passiert` und sich in ihm ´keine Spannung aufbaut` (so ein Leser bei AMAZON), hätte sich erst einmal kundig machen sollen, was ihn in diesem Buch denn eigentlich erwartet, und ist mit einiger Wahrscheinlichkeit im falschen Genre gelandet. Die Bemängelung der langen ´Ausführungen zur russischen Literaturgeschichte` (?) im vierten Kapitel scheint für sich gesehen wohl eher angebracht; auch die damals in Berlin führende Emigrantenzeitschrift, die den Roman zuerst 1937 in einzelnen Kapiteln veröffentlicht hatte, weigerte sich, dieses Kapitel, in dem es um das Leben des revolutionären Schriftstellers Nikolaj Gawrilowitsch Tschernyschewskij geht, zu drucken. Nabokov, der diese kritische Biographie separat selbst geschrieben hatte, lässt sie hier seinen Protagonisten Fjofor Konstantinowitsch Gadunow-Tscherdynzew schreiben und sozusagen als ´Buch im Buch` erscheinen.
Es gäbe viel zu sagen, zu diesem Werk, was an dieser Stelle zu weit führen würde. Wer Näheres wissen will, sollte unbedingt die o.a. erwähnte Besprechung von Urs Widmer in der ZEIT lesen. Auch der SPIEGEL schreibt in seiner Ausgabe vom 1. Mai 1993 so einiges Wissenswerte. Hier heißt es zum Schluss etwas hochtrabend:
´Das Vexierspiel, das der Autor mit sich und seinem Text treibt, macht den Roman zu einem erzählerischen Spiegelkabinett, in dem sich der Leser leicht verirrt und den Kopf stößt. Mit anderen Worten: Ohne ein paar Beulen an Haupt und Hirn ist die Lektüre nicht zu schaffen`.
Was die umfangreichen Anmerkungen angeht, so sind diese über weite Strecken nicht nur sehr hilfreich, sondern, gerade zum vierten Kapitel, nahezu unverzichtbar.









Annelore Engel-Braunschmidt (1993)



Die Gabe
Die Gabe
(Vladimir Nabokov)

Rowohlt Verlag, 1999, Tb.
  
12,99 €

Die Gabe
Die Gabe
(Vladimir Nabokov)

Rowohlt Verlag, 1993, 794 S., Ln.
  
30,00 €




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